Holocaust-Gedenktag 27. Januar

 Referat der Binger Schülerin Lina (9. Klasse)

anlässlich des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar 2014

Pfarrer Heinrich Tomberge

Heute ist Holocaust-Gedenktag und in meinem Referat geht es um Pfarrer Heinrich Tomberge.

Nach ihm wurde im Oktober vergangenen Jahres in Falkensee, das liegt in einem der verschiedenen Bezirke/Teile Berlins, auch eine Straße benannt, der „Pfarrer-Tomberge- Weg“. 

Pfarrer Tomberge wurde am 03.11.1902 geboren und starb am 02.05.1980. Er war ein bekennender Gegner des Nationalsozialismus. Meine Urgroßtante, Franziska Fiege, war seine Haushälterin, was auch der Grund ist, wieso ich so viele Informationen über ihn zusammentragen konnte.

Er setzte sich für die Menschen ein, vor allem für die Juden. Um sie zu schützen, ließ er jüdische Kinder als Ministranten in seine Kirche, weil sie ja so „unmöglich“ jüdischer Abstammung sein konnten.

Zur Beerdigung Franz Fieges, Franziskas Bruder, im Jahre 1943, reisten sie nach Münster-Sarmsheim, wo er die Trauerfeier abhielt. Dort äußerte er sich wohl gegenüber einem gewissen Friedrich J., dem Nachbarssohn der Familie Fiege, „dass sie ja in Russland gar nicht so weit gekommen wären, hätten sie sie nicht wie die Wegelagerer überfallen.“

Der Lehrer Fritz R. bekam das wohl mit und verriet Tomberge später. Der Pfarrer fuhr zunächst nach Berlin zurück und kümmerte sich dort um seine Gemeinde, die in seiner Abwesenheit stark unter den Bombenangriffen gelitten hatte. Erst nach fast einem Jahr wurde er von der Gestapo in Untersuchungshaft genommen und in das Polizeigefängnis „Am Alexanderplatz“ gebracht. Nach einer Woche wurde er nach Plötzensee verlegt und von dort weiter nach Potsdam.

Gründe für die Anklage waren, dass er abfällige Bemerkungen über den Reichsmarschall und die SS gemacht hätte, das Winterhilfswerk durch kritisierende Worte anzuzweifeln versucht hätte und die deutsche Propaganda gegen den Bolschewismus als Ursache für den Krieg hingestellt hätte.

Während der Zeit seiner Inhaftierung schrieben er und seine Haushälterin sich immer wieder Briefe. Einmal schaffte sie es sogar, ihn zu besuchen. Sie erzählte, dass ihm wohl dort wirklich schreckliche Dinge passiert sein mussten, denn seine Haare waren komplett weiß geworden. Mit dem Ende des Krieges machte er sich gemeinsam mit einem anderen Priester zu Fuß auf den Weg nach Hause.

Er sprach nie über seine Zeit in Gefangenschaft. 1964 bekam er Aufgrund seiner Verdienste eine Einladung des Bundespräsidenten ins Schloss Bellevue. Tomberge übernahm nach seiner Rückkehr die Gemeinde in Berlin Schöneberg und ging 1972 in den Ruhestand und leitete die kleine Gemeinde Eichelsbach im Spessart, wo er am 20. Mai 1980 starb. Franziska behielt zahlreiche Briefe seiner Freunde und Gemeindemitglieder aus der Kriegs- und Nachkriegszeit.