Gedenktag 27. Januar

Der 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Anlass dazu war der 27. Januar 1945, an dem die sowjetische Armee das Vernichtungslager Auschwitz befreit hat.
In Herten ist es Tradition, dass an diesem Tag eine Schule im Glashaus, der Stadtbibliothek, eine öffentliche Gedenkveranstaltung für Jugendliche inszeniert.

Dazu haben wir uns ein Programm überlegt, wie wir jungen Menschen und unserer Stadt die damaligen Umstände aufzeigen und unsere Erfahrungen aus Auschwitz weitergeben können.

Hertener Allgemeine vom 28.1.2014, Seite 1

Wir wollten unsere Geschichte erzählen „Vor dem Zaun“ von Auschwitz. Danach gingen wir durch das Tor „Arbeit macht frei“, sozusagen hinter den Zaun, erzählten kurze Geschichten, stellten das Leben im Lager dar und berichteten von unseren Erlebnissen und Eindrücken. Zum Schluss formulierten wir unsere Botschaften an die anderen Jugendlichen.

Aber wirklich von „Hinter dem Zaun“ war der erschütternde Bericht des Häftlings Primo Levi, „Ist das ein Mensch?“, den er nach seiner Befreiung geschrieben hat.
(>  Videoausschnitt)
Wir wollten nicht nur ein Opfer von Auschwitz zu Wort kommen lassen, sondern auch einen Täter: den überzeugten Nationalsozialisten, Lagerkommandanten und Obersturmbannführer Rudolf Höss (> Videoausschnitt). Dafür lasen wir aus seinem Tagebuch, das er während seiner Haft in Polen vor seinem Todesurteil 1946 verfasst hatte. Wir wollten auch wissen , wie die Auseinandersetzung mit diesem Kapitel der deutschen Geschichte nach 1945 weiter ging und zeigten zuerst einen Filmausschnitt von dem berühmten Prozess in Nürnberg gegen 21 Hauptbeschuldigte aus Staat und NSDAP mit Richtern aus den USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion.

Tobias Bäcker spielt Rudolf Höss im Gefängnis

Die Anklage lautete:

  • Verbrechen gegen den Frieden;
  • Kriegsverbrechen;
  • Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

„Die Ermittlung“ des Schriftstellers und Juden Peter Weiss, der mit seiner Familie rechtzeitig aus Deutschland emigrieren konnte, nahmen wir uns als Vorlage, um einige Szenen aus dem „Auschwitz-Prozess“, der zwischen 1963 und 1965 in Frankfurt gegen 18 Täter aus der Todesmaschinerie in Auschwitz stattfand, nachzustellen.

Schlussphase der Aufführung

Es war sehr still im Glashaus, vielen Jugendlichen stockte der Atem bei dem, was sie von den Zeugen hörten.
> Videoausschnitt

Und heute? Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Neonazismus gibt es nach wie vor. Wir verwiesen auf die gleichzeitig im Foyer aufgebaute Ausstellung zu den 10 Morden des rechtsradikalen NSU.
>  Videoausschnitt

Statements:

“Meiner Meinung nach ist Auschwitz das Symbol für Vernichtung und Verbrechen in der Geschichte. All die Opfer sind für mich nicht nur noch Zahlen, sondern Menschen, die auf grausamste Weise systematisch gequält und ermordet wurden.
Immer wieder tauchten rassistische Gruppen auf, die sich als Nachfolger der Nationalsozialisten ansehen, auch heute. Für mich und für meine ganze Gruppe werden diese stets Verbrecher bleiben, Verbrecher gegen die Menschlichkeit.
Deshalb ist es wichtig unsere Mitmenschen, insbesondere Jugendliche, die oft von diesen Gruppen angesprochen werden, über unsere Geschichte aufzuklären und hinzusehen, was um uns herum geschieht. Denn nur so kann man den Rassismus eindämmen, vielleicht sogar stoppen.
Ich finde, dass man in seinem Tunnelblick, mit dem man manchmal durchs Leben geht, Probleme um uns herum, wie zum Beispiel Rassismus, gar nicht erkennt. Auch wenn ich selbst nicht an der Reise nach Auschwitz teilgenommen habe, wurde durch die Mitarbeit in dieser Gruppe mein Blick für Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus geschärft. Ich fühle mich als Zweitzeugin, möchte mich zusammen mit meiner Gruppe gegen das Vergessen engagieren und gegen Rassismus eintreten.“(Lynn Schaefer)

“Mich hat am 27. Januar besonders beeindruckt, wie gebannt die Zuschauer von unseren Erzählungen, besonders von dem kleinen Rollenspiel waren, mit den Szenen aus dem Auschwitz-Prozess. Am schrecklichsten fand ich die Ungewissheit der Häftlinge, die ihre Angehörigen vermissten, oder an der Rampe von ihnen getrennt wurden, ohne zu wissen, was das bedeutet.” (Helen Bauermeister)

Damit sich Auschwitz nicht wiederhole!

>  Video: Gesamte Dokumentation unserer Gedenkveranstaltung am 27. Januar 2014