Pogromnacht

Aktion vor dem Glashaus Herten November 2013

Ferdinand Abraham, Max Ferse, Lina Cohn, Michael Mendlicki – das waren allesamt jüdische Mitbürger aus Herten!

Am 9./10. November 2013 jährte sich zum 75. Mal die Nacht der brennenden Synagogen und der gewaltsamen Übergriffe auf jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, auch in Herten.

Zum Gedenken an die Opfer von nationalsozialistisch gesinnten Nachbarn, verlasen wir (Helen Bauermeister, Lynn Schaefer, Tobias Bäcker und Thilo Simon) am 8. November die Namen der 35 Menschen, die nach 1933 in Herten Opfer der Nazi-Herrschaft geworden waren. Dazu legten wir, nach jüdischer Tradition, für jeden einen Stein nieder.

> Video zur Verlesung der Namen

Einige jüdische Bewohner konnten ihre Heimat verlassen und noch rechtzeitig in die USA, nach Frankreich, Palästina oder auch Polen auswandern, eher gesagt fliehen. Doch diejenigen, die 1938 noch in Herten lebten, wurden in dieser Nacht von den Nazis beleidigt, angegriffen, gequält, ausgeraubt und aus ihren Häusern vertrieben. Alle Schäden, die in der „Kristallnacht“ entstanden waren, mussten sie selbst ersetzen, niemand, selbst nicht ihre Nachbarn, kamen ihnen zu Hilfe. Dieser November war der Anfang der endgültigen Vernichtung der Juden in Deutschland und ganz Europa.

Die Familien Abraham und Mendlicki aus Herten wurden im Januar 1942, zusammen mit ca. 1200 Juden aus Recklinghausen und Gelsenkirchen, nach Riga deportiert. Sie wurden dort entweder erschossen oder im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.

Wir wandten uns an die Zuhörer: Jetzt kennt ihr die Fakten, aber warum sollte man daran erinnern? Es ist doch schon 75 Jahre her, was hat das mit uns zu tun?

Hertener Allgemeine vom 9. November 2013

Auch heute gibt es Diskriminierung gegen Menschen täglich in unserem Land! Anfeindungen, auch Angriffe auf Menschen durch rassistisch motivierte Gewalt. Um dies deutlich zu machen, verlasen wir im Anschluss die Namen der 10 Mordopfer der rechtsradikalen Terrorgruppe NSU und stellten für jedes eine brennende Kerze neben die 35 Steine. Auch an die 184 Todesopfer rechtsradikaler Gewalt zwischen 1990 und heute, erinnerten wir vor unserem Glashaus.

Es gibt keine separaten Menschengruppen! Um das und diesen Zusammenhalt gegen Neonazis und rassistisch eingestellte Menschen deutlich zu machen, bildeten wir einen Kreis um die Steine und Kerzen.

„Niemand darf wegen seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauung benachteiligt oder bevorzugt werden.“ (Grundgesetz Artikel 3)

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ (Grundgesetz Artikel 1)

Das ist unsere Botschaft: Genau hinschauen, Partei ergreifen, dagegen halten.