Zwangsarbeiter in Herten

Wieder-Verlegung der Platte auf unserem Schulhof (Foto: Carola Wagner)

Zwangsarbeiter in Herten während des 2. Weltkrieges

Luftbild Herten um 1965

Unsere Gruppe bekam die ehrenvolle Aufgabe, zur Erinnerung an die Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, die während des 2. Weltkrieges auf unserem heutigen Schulhof leben und arbeiten mussten, eine kleine Veranstaltung am 1. September 2014 vorzubereiten. Die bereits 2003 verlegte Gedenkplatte sollte nach der Umgestaltung des Schulhofs wieder verlegt werden. Wir hatten uns den 1. September ausgesucht – der Tag, an dem vor 75 Jahren mit dem deutschen Überfall auf Polen der 2. Weltkrieg begann und der seit 1966 auch zum Antikriegstag in Deutschland erklärt wurde.

Dabei stießen wir auf Fragen nach der genauen Lage, dem besonderen Unternehmen, das die Zwangsarbeiter beschäftigte, der politischen Situation seit Kriegsbeginn 1939 sowie der Zeit nach der Befreiung Hertens durch die US-Armee am 31.März/1.April 1945.

Wir arbeiteten im Archiv der Stadt und haben aufschlussreiche Dokumente über die Fleischwaren – und Wurstkonservenfabrik Schweisfurth gefunden, die v.a. durch Wehrmachtsaufträge (Konserven) stark expandierte und selbstverständlich Zwangsarbeiter/innen aus verschiedenen Ländern, die meisten aus der Sowjetunion, beschäftigte. Sie waren auf dem Betriebsgelände untergebracht und erhielten Kost und Unterkunft, aber keinen Lohn.

Wir fanden jedoch leider keine Quellen oder gar Berichte von den in dieser Fabrik schuftenden jungen russischen Ostarbeiterinnen, aber wir versuchten dennoch, uns einige konkrete Vorstellungen über einen Tagesablauf zu machen. Dazu benutzten wir einige Augenzeugenberichte, Dokumente wie die sog. „Ost-Erlasse“ von 1942 und befragten auch jemanden, der lange bei Schweisfurth in der Fabrik gearbeitet hat. Daraus entstand unser fiktiver Bericht der jungen Ostarbeiterin Lydia Baruchowa, der bei der Gedenkveranstaltung auf unserem Schulhof vorgetragen wurde.
>  Nachgedrehter Bericht von Lydia

Wir haben weiter herausgefunden, dass es auch heute in aller Welt Zwangsarbeit und moderne Sklaverei gibt. Und dass solche elenden Arbeitsverhältnisse auch in unserem Land existieren und wir davon profitieren. Aber wir haben auch überlegt, was jeder einzelne von uns dagegen tun kann/könnte.

Zu unseren Recherchen haben wir eine Ausstellung gemacht mit Dokumenten aus dem Archiv und Aufrufen gegen den Krieg, sowie Zeitungsartikeln über moderne Sklaven- und Zwangsarbeit, auch bei uns in Deutschland. Und wir haben auch Klassen durch die Ausstellung geführt.

> Video-Clip zur Ausstellung

Hertener Allgemeine vom 2. September 2014