Prof. Dr. L. Feld

Prof. Dr. Lars Feld ist seit 2010 Direktor des Walter-Eucken-Instituts und Professor für Wirtschaftspolitik an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Wirtschaftspolitik, Finanzwissenschaft, Neue Politische Ökonomie und Ökonomische Analyse des Rechts.

Transkription der Gespräche in Auszügen

Verfasser Wie würden Sie das ökonomische Erbe [des Freiburger Kreises] beschreiben? Was hat er bewirkt und hinterlassen?
Feld Die Arbeit der Ökonomen in den Freiburger Kreisen – insbesondere Walter Eucken – war wichtig für die Voraussetzung der Akzeptanz des Konstrukts ‚soziale Marktwirtschaft‘. Man hat unmittelbar nach dem Krieg, als man eine neue Gesellschaftsordnung in Deutschland schuf […], einen Neuanfang starten müssen. Und die Legitimität dieses Neuanfangs war umso größer – auch für den weiteren Zeitablauf -, je klarer und deutlicher die moralischen Verpflichtungen derjenigen waren, die diese Konstrukte geschaffen haben. Wenn man sich anschaut wie das Grundgesetz entstanden ist, […] dann hat man versucht, dafür integre Persönlichkeiten zu finden, die nicht vorbelastet waren durch das NS-Regime. Und das galt auch für die Entwicklung der sozialen Marktwirtschaft: Nicht nur Ludwig Erhard, der sich im NS-Regime ziemlich zurückgezogen hatte […], das galt auch für diejenigen, die Ludwig Erhard Ideen zugeliefert haben, insbesondere Walter Eucken und sein Schüler Leonhard Miksch. […] Das sind dann schon Persönlichkeiten, die dieser Idee der sozialen Marktwirtschaft auch einfach eine moralische Grundlage gegeben haben. […]
Verfasser Würden Sie also sagen, der Freiburger Kreis hat weniger aktiv an der sozialen Marktwirtschaft gearbeitet, sondern mehr die moralische Vorarbeit geleistet?
Feld Die Freiburger Kreise bieten sozusagen den moralischen Halt dafür, sodass Leute wie Eucken und andere danach an der Wirtschaftsordnung, die wir dann in Deutschland bekommen haben, arbeiten konnten.
Verfasser Die Gleichschaltung – inwiefern hat sie das Alltagsleben der Freiburger und Walter Eucken beeinflusst?
Feld […] So ganz in die Familien sind die Nationalsozialisten nicht vorgedrungen. […] Wenn die Leute nicht im öffentlichen Leben exponiert waren, konnten sie sich gut ins Private zurückziehen. […] Das war für Walter Eucken nicht möglich. Er war schon von Anfang an als Gegenspieler Heideggers bekannt, er hat auch an der Uni Vorlesungen gehalten, ganz öffentlich, die man als Widerstand begreifen konnte. Er hatte eine Vorlesung, die hieß „Der Kampf der Wissenschaft“. Und was er dort an Thesen vertreten hat, war ganz klar gegen das Regime gerichtet. Es gab dann schon Diskussionen, ob man ihn nicht von der Uni entfernen sollte, […] aber immer wieder hatte er in der Verwaltung irgendwo einen Fürsprecher, der dafür sorgte, dass er verschont blieb. Da hat er immer wieder Glück gehabt, weil er [bei seinen Mitmenschen] […] wohl meistens einen positiven Eindruck hinterlassen hat, […] er galt als sehr integre Persönlichkeit. Deswegen ist er über die Runden gekommen ohne interniert zu werden, ohne verhaftet zu werden.