Kirchenkampf

christuskirche

Die Christuskirche um 1900

Wie in ganz Deutschland tobte auch in Freiburg der Kirchenkampf der evangelischen Kirche. Er spaltete die Protestanten in zwei Gruppen, die „Deutschen Christen“ und die „Bekenntnisfront“. Erstere bauten auf eine engere Zusammenarbeit mit der NS-Führung zugunsten der Kirche. Die „Bekenntnisfront“ sprach sich hingegen für eine deutliche Trennung von Kirche und Staat aus. Aus dem späteren Freiburger Kreis sind es vor allem Gerhard Ritter, Adolf Lampe und Constantin von Dietze, die sich als Mitbegründer der Bekenntnisfront aktiv auf der Seite der bekennenden Kirche einbrachten. So wurden Ritters „Grundsätze zur Bildung der Bekenntnisfront“ 1934 in ganz Baden veröffentlicht. Darin kritisiert er die Idee einer Reichskirche und befürwortet den laizistischen Staat. Besonders auffällig ist folgendes Zitat:

„Wahre Kirche ist nur da, […] wo brüderliche Gesinnung herrscht, nicht nur stummer Gehorsam.“

Mitgliedskarte der Bekennenden Kirche von Adolf Lampe

Mitgliedskarte der Bekennenden Kirche von Adolf Lampe

Bereits hier zeigt sich versteckte Kritik am nationalsozialistischen Terror-Regime. Auch die anderen Professoren Eucken, von Dietze und Lampe sind Mitglieder der Gemeinde der Christuskirche, die sich zum geographischen und geistigen Zentrum der Bekenntnisfront entwickelte. Die ohnehin schon in Nachbarschaft lebenden Wirtschaftswissenschaftler trafen sich sowohl hier als auch in den eigenen Wohnungen allwöchentlich regelmäßig in privatem Umfeld. Es ist wohl auch diesen Gewohnheiten und jahrelangen Freundschaften zu verdanken, dass die regelmäßigen Treffen der befreundeten Professoren des Freiburger Kreises über lange Zeit kaum Aufmerksamkeit erregten.

Flugblatt der "Deutschen Christen"

Flugblatt der „Deutschen Christen“