Verhaftung

20. Juli 1944, das Attentat auf Adolf Hitler misslingt. Mit der „Aktion Gitter“, wie der Propagandaname für die vielen Verhaftungen und Hinrichtungen als Sühnemaßnahme lautet, wird die Gestapo auch auf die Freiburger Professoren v. Dietze, Lampe, Eucken und Ritter aufmerksam. Ihre Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät hatte ohnehin schon den Ruf von Nonkonformisten, die man im Auge behalten sollte. Der Gefahren, denen sich die Professoren ausgesetzt hatten, waren sie sich durchaus bewusst, doch die ernsthaften Konsequenzen bekamen sie jetzt deutlich zu spüren.

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Gefängnis in Freiburg um 1930

Die drei Kopien der „Bonhoeffer Denkschrift“ wurden nur zu geringen Teilen entdeckt, dennoch: Einige Namen der Freiburger erfuhr die Gestapo von Goerdeler, der unter grausamer Folter Namen seiner Bekannten aus dem Widerstand weitergeben musste. Adolf Lampe und Constantin von Dietze wurden daraufhin am 8. September 1944 verhaftet, Gerhard Ritter einen Monat später. Eucken und Erik Wolf wurden vernommen, jedoch nicht verhaftet.

Zunächst wurden Lampe und v. Dietze in das Freiburger Gefängnis an der Sautierstraße gebracht. Dem Student Heinrich Kullmann gelang es unter dem Vorwand als Doktorand über seine Dissertation sprechen zu wollen, mit den beiden Professoren mehrmals Kontakt aufzunehmen. Auch dadurch konnten Walter Eucken und Erik Wolf (Mitglied des Bonhoeffer Kreises) ihre Aussagen aufeinander abstimmen und einer Verhaftung entgehen.

Im Januar 1945 waren schließlich alle drei verhafteten Freiburger nach Berlin ins Moabiter Gefängnis verlegt worden. In einem Brief von Adolf Lampe an seine damals zweijährige Tochter Christine Blumenberg-Lampe wird die Not in den getrennten Familien deutlich.

lampe-an-christineAdolf Lampe, Zelle 262. Berlin […], den 10.12.44. Mein liebes, kleines, gutes Christelein. Damit dieser Gruss, den ich dir zu deinem Tauftag schicke, am 17. Dezember bei Dir sein kann, habe ich ganz viele Marken daraufgeklebt. Die Post gibt sich dann mehr Mühe und schickt den Brief sicherer und schneller weg! Ich möchte Dir doch so gerne sagen, wie innig ich gerade an diesem Tag an dich denken werde. Mutter wird Dir dann erzählen, wie schön es vor drei Jahren war, als wir so viele Freunde und Bekannte eingeladen hatten, die erst in der Kirche bei deiner Taufe zugesehen hatten und die sich dann zuhause mit uns an dir kleinem Würmchen gefreut haben. […] Natürlich hoffe ich jeden Tag, wieder heimfahren zu dürfen. […]“

Am 9. April, also mitten in den Wirren des untergehenden Reiches, wurde gegen Dietze noch eine Anklageschrift aufgesetzt. Er ist des Hochverrats angeklagt und damit in unmittelbarer Lebensgefahr. Während noch um Berlin gekämpft wurde, führte man 16 Häftlinge der Lehrter Straße unter dem Vorwand der Freilassung nach draußen. Sie wurden durch Genickschuss getötet. Darunter war auch Friedrich-Justus Perels, der mit dem Bonhoeffer Kreis zusammenarbeitete, aber an keiner Sitzung teilgenommen hatte.

 

Haftentlassungsschein von Adolf Lampe

Haftentlassungsschein von Adolf Lampe

Den Einmarsch der roten Armee bekommen Ritter, v. Dietze und Lampe aus dem Zellenfenster mit. Die Wachmannschaft flieht, und in diesem kurzen Machtvakuum gelingt es den Freiburgern, einen offiziellen Entlassungsschein zu erlangen.