Schularchiv

Buchdeckel-1-20160817_214346Das Schularchiv lag näher als das Stadtarchiv, man musste ja nur ein paar Schritte in den Keller gehen.
Die Akten aus der NS-Zeit unserer Schule wären eines Tages fast entsorgt worden, wären da nicht zwei sehr aufmerksame und beherzte Sekretärinnen gewesen. Als wir das Schularchiv im Keller unserer Schule betraten, sah es unaufgeräumt aus, denn das Archiv steht kurz vor dem Umzug. Viele Dokumente aus der Jetzt-Zeit lagen herum, aber wir fanden auch Abiturarbeiten aus den Jahren 1932 bis 1944 sowie viele Bände mit Erlassen der Schulbehörden.
Beim Blättern durch die dicken Akten verschiedener Jahrgänge lasen wir die Abiturthemen für den Deutschen Aufsatz, für Geschichte, Erdkunde, aber auch für Mathematik, Chemie und die für uns neuen sog. Fächer des Frauenschaffens im hauswirtschaftlichen Zweig. Alle waren Teil des rassistischen Erziehungsprogramms ab 1933.
Wir wollten natürlich etwas Außergewöhnliches finden, vielleicht sogar etwas Neues entdecken oder mindestens etwas Besonderes daraus machen.
lemo-ba111642-kleinSind die Abiturienten von damals nicht Zeitzeugen für uns heute, und das an der eigenen Schule?! Könnte man nicht überlegen und versuchen, eine Prüfung, eine Abiturarbeit lebendig zu machen, vielleicht als Film?
Wir fingen an, Ideen zu entwickeln über die „Männer des Spatens“…. Und so wurde tatsächlich das Schularchiv für uns interessant!

Unsere Gruppe spielt die Klausurarbeit  > „Männer des Spatens“

 

margret-klopries-wohnung„Was zwingt uns dazu, in der Judenfrage unerbittlich zu sein?“

Das war ein Abiturthema im Fach Deutsch von 1939. Der Aufsatz stellte uns jedoch vor ein unlösbares Problem: Er war, wie alle anderen Arbeiten bis 1940/41, in Sütterlin geschrieben und für uns nicht zu entziffern. Wir fanden jedoch mit der jetzt 92jährigen Margret Klopries bei uns in Herten-Westerholt einen Menschen, der uns helfen konnte und helfen wollte. Wir durften sie besuchen.
> Margret Klopries liest einen Aufsatz

Wir haben ein eindrucksvolles Bild der damaligen Schulwirklichkeit bekommen – so eine Schule wollen wir nicht. Wir finden, es lohnt sich, sich mit dieser Zeit näher zu beschäftigen. Genau das möchten wir unseren Mitschülerinnen und Mitschülern auch vermitteln.
Geschichte hat uns provoziert.