Stadtarchiv Herten

Wir wussten, im Archiv der Stadt Herten finden sich einige Akten aus der Zeit unseres alten Realgymnasiums, das 1937 Oberschule für Jungen wurde und heute unser Städtisches Gymnasium ist. Schulbücher des Gymnasiums, vor allem der Mathematik? „Gibt es keine“, sagte uns Frau Noetzel, die Leiterin, sofort.“ Aber wir suchen mal was für Sie heraus.“
Tatsächlich stapelten sich ca. 10 Akten für uns im Magazin-Leseraum. Waren es nur „Verwaltungsvorgänge“ oder würden wir auch etwas Interessantes finden zu unserem Thema  „Erziehung und Schule der Diktatur?
archiv-arbeitWir entdeckten einen Brief von 1936, in dem sehr klar wurde, dass die Ortsgruppe der NSDAP in Herten direkte und drohende Kontrolle ausübte: Weil angeblich eine Gruppe von ca. 16-17jährigen HJ-Mitgliedern und Schülern des Realgymnasiums die Scheiben des Schau-Kastens der Zeitung „Der Stürmer“ eingeschlagen hätten, wurden scharfe Bestrafungen gefordert. „Der Stürmer“ war die antisemitische Hetz-Zeitung der Nazis.
Wir fanden weitere Hinweise für eine Kontrolle des Schullebens durch die Partei: bei allen Anträgen von Eltern für eine Freistellung von Schulgeld oder Teilen davon (der gesamte Betrag lag bei 240 RM im Jahr – damals kein kleiner Betrag!) prüfte die NSDAP-Ortsgruppe die politische Zuverlässigkeit der Eltern und gab dann ein positives oder negatives Votum ab.
Vor 1934 „regierte“ in der Schule ein 12-köpfiges Kuratorium, in dem außer dem Bürgermeister, ab 1933 natürlich einer der NSDAP, der Schulleiter, 3 Lehrer aus dem Kollegium, je ein Vertreter der beiden Konfessionen und 6 weitere Bürger der Stadt vertreten waren. Später gab es 6 sog. Beiräte, darunter fanden sich keine Lehrer und keine Geistlichen mehr. Immerhin beriet und entschied dieses Gremium über Stellenbesetzungen, Baumaßnahmen, aber auch über die bereits erwähnten Freistellen für Familien.
Wir mussten feststellen: Ohne die NSDAP drinnen, aber auch draußen, ging sozusagen gar nichts in der „Schule der Diktatur“ (nach I. K. Flessau).