NS-Rassenkunde

frenking-portraetBevor wir uns an die Realisierung der Unterrichtsstunde in „Rassenkunde“ wagten, bekamen einige von uns die Gelegenheit, Herrn Dirk Frenking am 1. Juli 2016 in einem Interview Fragen zu den sog. Nürnberger Gesetzen von 1935 und die Rolle der Richter in der NS-Zeit zu stellen. Das könnte eine Vorbereitung auf unser geplantes Unterrichtsprojekt sein.
Deshalb waren wir auch sehr neugierig auf den Besuch in der Justizakademie NRW in Recklinghausen, denn Herr Frenking ist Leiter der Dokumentations- und Forschungsstelle „Justiz und Nationalsozialismus NRW“.
> Dirk Frenking im Interview
Wir erfuhren von ihm, dass er es als eine wichtige Aufgabe ansieht, junge zukünftige Richter/Innen und Staatsanwälte mit dieser Problematik vertraut zu machen und so dazu beizutragen, dass solches Unrecht sich nicht wiederhole. Auch dass wir ihn „besuchten“ und befragten, fand er eine gute Gelegenheit zur Aufklärung.
Wir merkten dort, dass wir in der Schulzeit über dieses besondere Thema der NS-Zeit nicht sehr viel erfahren hatten, und so waren wir froh, dass Herr Frenking Zeit für uns hatte. Er hat uns an einigen Beispielen erläutert, wie der „Geist des NS-Rassismus“ vor allem gegen jüdische Mitbürger auch ohne konkrete Gesetze schleichend, aber wirksam und brutal durch den Justizapparat durchgesetzt wurde. Die berüchtigten „Nürnberger Gesetze“ regelten Verbote von Ehen zwischen sog. Deutschblütigen und Juden verschiedenen Grades und waren vor allem für Standesbeamte wichtig, denn sie mussten genau prüfen und darauf achten, dass die deutsche Rasse rein gehalten wurde.

rassek-klasse-v-hintenBiologie als Abiturfach gab es nur mündlich – zumindest haben wir nur das in den Abiturunterlagen in unserem Schularchiv gefunden. Aber sehr schnell zu Beginn unserer Arbeit am Projekt war klar, dass wir versuchen wollten, Unterricht in „Rassenkunde“ zu spielen. Also gingen wir daran, uns eine Schülergruppe mit strenger Lehrerin vorzustellen. Dabei haben wir alle Rollen bewusst übertrieben.

> Videoclip „Rassenkunde“

 

kz-jacke-p-996-sehr-klein„Ich bin nicht sehr groß. Mir passte die abgenutzte gestreifte Jacke aus grober Baumwolle mit dem roten P und der Häftlingsnummer 996. Sie gehörte dem damals 16jährigen Kazimierz Télesinki aus Polen. Er war 1,80 m groß und wog bei seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager weniger als 50 kg. Eine kleine Schüler-/Lehrergruppe aus Herten hat ihn 1992 in Auschwitz zufällig vor dem Archiv im Stammlager kennengelernt und in seinem Wohnort Kattowitz getroffen.

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Übergabe der Jacke 1992 in Kattowice, Polen

Er berichtete von seinem Schicksal unter der deutschen Besatzung und hat der Gruppe die Jacke „zum Andenken“ übergeben. So gelangte diese KZ-Häftlingsjacke wieder nach Deutschland, nach Herten an unsere Schule.
Mich überkam ein beklemmendes Gefühl, ich war den Tränen nahe, als ich diese Jacke am Ende unserer „Rassenkundestunde“ anziehen sollte. Während Clara die Namen und Zahlen vorlas, habe ich mich umgedreht.
Ich war nur noch eines von vielen Millionen Opfern des deutschen Rassenwahns.“