Erziehung zur deutschen Frau im NS-Staat

Das höchste Ziel war, wie auch im Beitrag über NS-Erziehungsziele erwähnt, die Erziehung der Mädchen zu rassenbewussten Frauen, die ihrer Aufgabe als „Pflegerin der Familie und Trägerin wertvollen Erbgutes“ gerecht werden mit dem Willen und der Fähigkeit, „wieder Männer zur Welt zu bringen“. So verstanden die Mädchen und auch ihre Lehrer den Auftrag an die Erziehung zur „deutschen Frau“ Mutter mit Kindernin „Mein Kampf“ und im Kapitel „Biologie“ aus „Erziehung und Unterricht in der Höheren Schule“ von 1938.

An unserer Oberschule für Jungen hatten die Mädchen die Wahl, in den letzten beiden Klassen 7 und 8 vor dem Abitur die „hauswirtschaftliche Abteilung“ zu wählen. Im Kriegsjahr 1942 haben 11 junge Frauen die Reifeprüfung in diesem Zweig abgelegt.
Durch die besondere Aufgabe, die der deutschen Frau und Mutter in Haus, Beruf und Volksgemeinschaft zugewiesen wurde, erfuhren die Fächer des „Frauenschaffens“ eine neue Wertschätzung. Praktisches Können stand dabei im Vordergrund der Fächer Handarbeit, Hauswirtschaft mit Kochen, Haus- und Gartenarbeit und der Pflege.

Das war eine der 7 praktischen Aufgaben:

  1. Frau A. will ihrem 9-jährigen Sohn auch unter Kriegsverhältnissen einen Geburtstagskaffee mit seinen 4 Spielkameraden ermöglichen.
  2. Sie sorgt im Frühjahr für Mottenschutz bei ihren Wintersachen.

Das Fach Nadelarbeit wurde von 4 Schülerinnen als praktisches Prüfungsfach gewählt.

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Zeichnung aus der praktischen Prüfung Abitur 1942

So lautete eines von vier Themen:

  1. Passendes Kindermützchen zum Wollkleid für ein 4jähr. Mädchen.
  2. Servietten hand- oder maschinenstopfen (eigene Wahl).

Die Reifezeugnisse aller 11 Abiturientinnen enthalten die Bemerkung
„Dienst (Säuglingsheim, Kindergarten, Familie): Hat mit Erfolg am Dienst  teilgenommen.“
Dieser „Dienst“ war das Kernstück der Pflege und meinte damit eine Art Praktikum. Er sollte die Schülerinnen hinleiten zu dem „großen Dienst, den die deutsche Frau und Mutter ihrem Volk auf dem Gebiet der Volkserhaltung, der persönlichen und Erbgesundheitspflege und Volkserziehung zu leisten hat. So wird die Fächergruppe „Pflege“ in Verbindung mit Biologie, Deutsch und Geschichte zum lebenswichtigsten Erziehungs- und Bildungsstoff für Mädchen.“ Das ist bestimmt auch an unserer Schule sehr wichtig und ernst genommen worden.
> Videoclip „Erziehung zur deutschen Frau im NS-Staat“

Wir haben einer Gruppe von Mitschülerinnen und Mitschülern zwei Tafeln in unserer Ausstellung zum Frauenbild und zur Mädchenerziehung vorgestellt und erläutert.