2. LEA-Exkursion

Feuchtwangen-Ellwangen, 6. Oktober 2016

Es ist mittlerweile fast ein Jahr her, dass unsere Ethik-Klasse 10 gemeinsam mit der Klasse 9c (Musik) die Landeserstaufnahmeeinrichtung LEA für Flüchtlinge in Ellwangen im Dezember 2015 besucht hatte (1.LEA-Exkursion).

Viel war seither hier geschehen, was wir mit großem Interesse, aber auch besorgt in den Berichterstattungen der Medien (Fernsehen, Rundfunk, Zeitungen und Internet) verfolgt hatten. Wir lasen über fremdenfeindliche Shitstorms in diversen Internetplattformen oder über die bundesweiten Demonstrationen der Russlanddeutschen gegen die jetzigen Flüchtlinge (dabei waren die Russlanddeutschen doch selbst einmal Migranten). Wir lasen aber auch über die fremdenfreundliche, unermüdliche Hilfsbereitschaft der Ellwanger Bürger und Bürgerinnen.

Im Ethikunterricht diskutierten wir unter dem Aspekt „Handlung, Moral, Ethik, Werte“ über diese aktuelle Thematik und stellten uns u.a. folgende Frage: Was ist wirklich dran an den Berichterstattungen über „Massenschlägereien zwischen Pakistani und Algerien oder Nordafrikanern und Syrern“, dass also Flüchtlinge, die vor den Gräueltaten in ihrer Heimat geflohen sind und dabei ihr Leben auf´s Spiel gesetzt haben, um schließlich sicher in der LEA Ellwangen anzukommen, dass diese nun gegenseitig menschenverachtend aufeinander losgehen? Pauschalisieren wir damit, dass alle Flüchtlinge so sind oder sind es eventuell die Andern, „mit Grenzen im Kopf“, die sich fremdenfeindlich verhalten; und wer sind diese fremdenfeindlich denkenden Andern?

Uns 18 EthikSchüler/innen mit unserer Ethiklehrerin Dr. Barbara Haas war es ein Anliegen, darüber mit  dem verantwortlichen Leiter der LEA, Berhold Weiß, der ja hautnah alles in der LEA mitbekommen hatte, persönlich sprechen zu dürfen und ihn unsere vielen Fragen stellen zu können. Herr Weiß verabredete sich mit uns für Donnerstagnachmittag, den 6. Oktober 2016.

Als wir nun erneut, 10 Monate nach unserer 1. Exkursion, mit unserem Bus vor dem Eingangstor standen und auf die Erlaubnis warteten, auf das LEA-Gelände fahren zu dürfen, fiel uns auf, dass viel mehr Wachpersonal präsent war, als im letztes Jahr. Wahrscheinlich ist dies eine Folge der zurückliegenden Geschehnissen hier, als beispielsweise im Januar 2016 über 60 nordafrikanische Flüchtlinge, die sich in mehreren LEAs gleichzeitig angemeldet hatten und sich vor der Registrierung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bisher erfolgreich entzogen hatten, weil dort Fingerabdrücke genommen und mit internationalen Datenbanken abgeglichen werden konnten, bei einem Großaufgebot an Polizei nach Stuttgart verlegt wurden.

Kurz darauf kam uns auch schon Herr Weiß auf seinem Fahrrad entgegen. Er führte uns in eine der Hallen, die wir im letzte Jahr noch als Garagen-Bauruinen in Erinnerung hatten und informierte uns, dass diese zum Zweck der Unterkunft von Flüchtlingen nun hergerichtet worden sind, wobei er inständig hoffe, dass diese zukünftig niemals dafür herangezogen werden müssen. Herr Weiß nahm sich über eine Stunde Zeit unsere im Ethikunterricht zusammengetragenen Fragen ausführlich und verständlich zu beantworten.

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Internetlink: https://youtu.be/_ATiQQecR3o

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Interview mit Berthold Weiß

Nach dem Interview zeigte uns Herr Weiß das LEA-Gelände, das uns ja schon von der 1. LEA-Exkursion vertraut war. Er berichtete uns, dass angesichts der gesunkenen Zahl der dort beherbergten Flüchtlinge – auf nun mehr 400 – diverse Gebäude momentan nicht mehr benutzt werden und die Zuversicht besteht, dass sich dies in naher Zukunft auch nicht ändern wird.

Herr Weiß verabschiedete sich nach dem gemeinsamen Gruppenfoto und gab uns die Erlaubnis, nun eigenständig auf dem LEA-Gelände uns zu bewegen.

Interview mit dem Leiter der LEA: Berthold Weiß

Begegnung der Ethik-Q11 mit dem Leiter der LEA Ellwangen, Berthold Weiß am 06.10.2016

Uns fiel dabei auf, dass im Gegensatz zu unserem letzten Besuch alles ruhig und entspannt wirkte. Wir sahen weder Unmengen an Flüchtlingen durch die Gegend laufen, wie beim letzten mal, dafür aber auffallend oft uniformierte Aufsichtspersonen, noch hörten wir laute Rufe oder nervöse Schreie. Auch waren die Zelte nicht mehr vorhanden, in denen wir damals so freundlich von den Flüchtlingen eingeladen worden waren.

Unser Mitschüler Ismail fungierte wieder als Dolmetscher zwischen uns und den Flüchtlingen und übersetzte die Schilderung eines Flüchtlings, der darauf sehnlichst wartet, dass er seine in der Heimat zurückgelassene Frau mit den beiden Kinder doch hoffentlich schon bald und unbeschadet wieder in die Arme schließen kann.

Diese Geschichte, aber auch das Gespräch mit Herrn Weiß beschäftigten uns mitunter noch auf der Heimreise, denn dabei stand wohl nicht mehr die Frage „WIE fremdenfeindlich sind wir wirklich?“ im Raum, sondern „WARUM sind wir überhaupt fremdenfeindlich?“

Joshua Holle,Timo Schreitmüller und Jessica Francesconi (Ethik-Q11)