Definition „Fremdenfeindlichkeit“

Ablehnende und feindselige Haltung gegenüber allem, was gegenüber den vertrauten Lebensumständen als fremd und deshalb bedrohlich empfunden wird. Fremdenfeindlichkeit richtet sich gegen Menschen, die sich durch Herkunft, Nationalität (Ausländerfeindlichkeit), Religion (Antisemitismus) oder Hautfarbe (Rassismus) von der eigenen Umwelt unterscheiden. Sie äußert sich in Ausgrenzung, tätlichen Angriffen, systematischer Vertreibung bis hin zur Ausrottung. Sie ist eine Einstellung, die Menschen aus einem anderen Kulturkreis, aus einem anderen Volk, aus einer anderen Region oder aus einer anderen Gemeinde aggressiv ablehnt.

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Beispiele aus dem Online-Blog von Dr. Rainer Ebert, Texas

Fremdenfeindlichkeit ist eine Einstellung und Verhaltensweise, bei der Menschen wegen anderer Herkunft, Sprache, Religion oder Kultur diskriminiert und abgelehnt werden. In ihr spiegelt sich ein verfestigtes, gefühlsmäßig verankertes negatives Verhältnis zu bestimmten Gruppen von Ausländern wider. Wenn von „Ausländerfeindlichkeit“ gesprochen wird, ist in der Regel Fremdenfeindlichkeit gemeint, weil bei dieser Einstellung nicht generell alle Ausländer abgelehnt werden, sondern nur diejenigen, die sich in wichtigen Merkmalen und Eigenschaften von dem eigenen Kulturkreis unterscheiden.

Der Ellwanger (Gemeinde Adelmannsfelden) Rainer Ebert engagiert sich in seinem Online-Blog gegen die fremdenfeindlichen Hetze-Kampagnen

Dr. phil. Ebert machte sein Abitur in Ellwangen lebt in Texas und engagiert sich und publiziert im Bereich der Tierethik.

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Ipf-und-Jagst-Zeitung vom 12.11.2015

Interview mit Dr. Rainer Ebert

Ethik Q11:  Wieso werden die Profilbilder und Namen der Kommentarschreiber* unkenntlich gemacht?

Dr. Ebert:     Ich anonymisiere die Kommentare, weil es mir nicht darum geht, über Einzelne zu urteilen, sondern darum, allgemein darauf aufmerksam zu machen, dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ernsthafte Probleme unserer Gesellschaft sind, insbesondere im Zusammenhang mit Flüchtlingen. Außerdem wäre es mir ohnehin nicht möglich, die Namen der Kommentarschreiber auf ihre Echtheit hin zu überprüfen.

Ethik Q11:   Welches Ziel verfolgt Ihr Blog?

Dr. Ebert: Ziel dieses Blogs ist es, auf Online-Hetze gegen die Ellwanger Landeserstaufnahmestelle (LEA) und deren Bewohner hinzuweisen. Hass und Fremdenfeindlichkeit führen schnell zu Gewalt, was leider an der stetig wachsenden Zahl von Angriffen auf Flüchtlinge und Flüchtlingsheime in Deutschland ersichtlich ist. Deshalb ist es wichtig, dass Hetze nicht ignoriert wird, sondern auf entschiedenen Widerstand stößt. Ich hoffe, dieser Blog wird einige Menschen dazu motivieren, selbst aktiv Widerstand zu leisten und für Toleranz zu werben.

Ethik Q11: Haben diese diese menschenverachtenden Äußerungen im Internet nachgelassen, nachdem derzeit in der LEA Ellwangen nicht mehr fast 5000 Flüchtlinge beherbergt sind, sondern nun 399. (Stand November 2016)?

Dr. Ebert:    Meinem Eindruck nach hat sich die Häufigkeit der fremdenfeindlichen Online-Kommentare mit direktem Bezug zur LEA Ellwangen deutlich reduziert. Ich vermute, das hat damit zu tun, dass durch die Schließung der Balkanroute und dem Türkei-Deal in letzter Zeit deutlich weniger Flüchtlinge nach Deutschland und somit auch nach Ellwangen kommen und das allgemeine Interesse am Thema nachgelassen hat.

Ethik Q11:  In welchem Monat (Von Juli 2015 bis heute, November 2016) waren die meisten Shitstorms Ihrer Beobachtung nach? Nahm der Shitstorm zu mit der Zunahme der Flüchtlinge in der LEA Ellwangen und nahm der Shitstorm ab mit der Abnahme der Flüchtlinge in der LEA Ellwangen.

Dr.Ebert:  Am meisten fremdenfeindliche Kommentare habe ich im Januar 2016 festgestellt. Davor gab es einen Peak im September 2015. Daraus ist aber nicht unbedingt zu schließen, dass es in diesen Monaten tatsächlich besonders viele fremdenfeindliche Kommentare gab.

Ethik Q11: Wer sind diese Leute, die das machen? Bildungsgrad? Altersgruppe?  Bürger/innen?

Dr. Ebert:   Ein großer Teil der Kommentarschreiber zeigt Ortskenntnis und es liegt deshalb nahe, dass es sich um Bürgerinnen und Bürger aus Ellwangen und den umliegenden Gemeinden handelt. Es sind überwiegend Männer. Alle Altersgruppen sind vertreten. Über die Verteilung kann ich keine Aussage machen. Dasselbe gilt für den Bildungsgrad. Mir ist allerdings aufgefallen, dass Rechtschreibfehler sehr häufig sind.

Ethik Q11: Aus dem Zeitungsbericht von Frau Rimkus war zu entnehmen, dass die Beschimpfungen teilweise oder größtenteils? nicht anonym stattfinden. Das heißt: die Schreiber stehen also zu ihren beleidigenden Meinungsäußerungen?

Dr. Ebert: Das ist richtig. Fast alle kommentieren mit Klarnamen. Das sollte uns alarmieren, da es auf eine Enttabuisierung der Fremdenfeindlichkeit hinweist. Fremdenfeindlichkeit scheint leider gesellschaftsfähig zu werden.

Ethik Q11:  War der Shitstorm besonders intensiv, als die Ellwanger Rußlanddeutschen am 26. Januar 2016 vor der LEA demonstriert hatten?

Dr. Ebert: Wie schon erwähnt, habe ich im Januar 2016 tatsächlich mehr fremdenfeindliche Kommentare festgestellt als in jedem anderen Monat. Ob ein Zusammenhang zu der Demonstration am 26. Januar besteht, weiß ich nicht.

Ethik Q11: Sind die Shitstorm-Schreiber alteingesessene Ellwanger Bürger oder evtl. Ellwanger Russlanddeutsche? (Es hat sich ja dann herausgestellt, dass der Anlass dieser Demonstration (ein Mädchen in Berlin behauptete, von Asylanten misshandelt worden zu sein) gar nicht richtig war (das Mädchen hatte gelogen).Falls Sie diese Frage nicht beantworten wollen, ist das ok!

Dr. Ebert:  Keine Ahnung. Es lässt sich allerdings eine gewissen Russlandnähe der Facebook-Seite feststellen, die sich am meisten in der Hetze gegen Flüchtlinge profiliert (https://www.facebook.com/Kein-Asylheim-in-der-Reinhardt-Kaserne-826300594067680/).

Ethik Q11: Ist das eine kleine Gruppe (also immer wieder dieselben) die hier boshaft agieren?

Dr. Ebert:   Es gibt einige Namen, die immer wieder auftauchen und es gibt eine Handvoll Leute, die aktiv und systematisch gegen Flüchtlinge Stimmung machen. Die Zahl derer, die sympathisieren und die Meinung der Stimmungsmacher teilen ist jedoch immens. So hat die bereits erwähnte Facebook-Seite derzeit beispielsweise über 7000 „likes“.

Ethik Q11: Werden die Shitstorm-Schreiber strafverfolgt? oder dürfen die das „unbestraft“ machen? und kam die Stadt Ellwangen schon auf Sie zu und bat Sie darum, Daten für eine Anzeige freizugeben?

Dr. Ebert:  Mir sind im Zusammenhang mit der LEA Ellwangen keine Urteile wegen Volksverhetzung oder Ähnlichem bekannt. Es sind bei mir auch noch keine Anfragen von Strafverfolgungsbehörden eingegangen. Ich persönlich halte das Strafrecht nicht für ein angemessenes Mittel, um mit Fremdenhass umzugehen.

Ethik Q11: Können Sie uns 2-3 positive (anonyme) Reaktionen von Ellwanger Bürger zukommen lassen, die wir in unser Projekt so bildlich einarbeiten dürfen?

Dr. Ebert: Positive Kommentare werden auf einschlägigen Facebook-Seiten meist gelöscht. Das zeigt, dass die Betreiber nicht an einer sachlichen oder ausgewogenen Diskussion interessiert sind, sondern gezielt Stimmung gegen Flüchtlinge machen wollen. Ich kann mich an viele positive Kommentare auf den Facebook-Seiten lokaler Zeitungen erinnern, die dort natürlich auch nicht gelöscht werden. Ich habe allerdings leider keine Screenshots davon.

Ethik Q11:  Unser Projekt nennt sich ja „Grenzen im Kopf – Wie fremdenfeindlich sind wir wirklich? am Beispiel der LEA Ellwangen“. Können Sie hier auf Grund Ihrer eineinhalbjährigen Erfahrungen ein persönliches Statement abgeben?

Dr. Ebert:   Bevor ich anfing, mich näher mit der LEA Ellwangen zu beschäftigen, war mir das Ausmaß der Fremdenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft nicht bewusst. Ich finde es deshalb super, dass Ihr Euch intensiv mit dem Thema Fremdenfeindlichkeit beschäftigen und wünsche mir, dass Euch dadurch das Problem bewusster geworden ist und Ihr die Motivation gefunden habt, aktiv für mehr Toleranz und Respekt zu werben.