Ethisch-moralischer Blickwinkel

Und die Moral von der Geschicht´ …                                                                   Fremden Menschen in Not, denen hilft man (nicht)?!

Eigentlich haben wir doch Glück, oder? Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt, haben ein gutes Sozialsystem und garantieren Bildung für alle und – falls Sie dies hier lesen können, auch einen Internetzugang. Wir haben zu viel von allem, viel mehr als der Großteil der Welt. Und doch, so scheint es, wollen wir nicht mit anderen teilen oder gar ihnen die Chance auf Gleiches gewähren.

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Beschimpfung von Gutmenschen (aus dem Online-Blog von Dr. Rainer Ebert, Texas)

Diejenigen aber, die doch helfen wollen – oder auch nur versuchen die Menschen, welche Flüchtlinge pauschal kriminalisieren, vom Gegenteil zu überzeugen – gerade diese Leute müssen immer wieder die Beschimpfung Gutmensch über sich ergehen lassen.

Gerade auf Social Media Seiten wird kein Blatt mehr vor den Mund genommen und ein simples Argument, welches zum Beispiel Flüchtlinge in Schutz nimmt, kann einen kompletten Shitstorm gegen den Verfasser auslösen.

Shitstorm im Internet zu den Flüchtlingen in der LEA- Ellwangen (aus dem Online-Blog von Dr. Rainer Ebert, Texas)

Besonders durch die Anonymität des Internets scheinen alle Hemmungen zu fallen; und dies sieht man leider auch nur allzu deutlich im Zusammenhang mit der Landeserstaufnahmestelle LEA für Flüchtlinge in Ellwangen: auf diversen Internetplattformen wird massiv Hetze gegen deren Flüchtlinge betrieben, wobei Ausdrücke wie „elendes Pack“ und „dreckige Asylanten“ im Vergleich mit anderen Beleidigungen teilweise noch harmlose Beschimpfungen sind.

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(aus dem Onliine-Blog von Dr. Rainer Ebert, Texas)

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Shitstorm im Internet zu den Flüchtlingen in der LEA- Ellwangen (aus dem Online-Blog von Dr. Rainer Ebert, Texas)

Doch wer nun lediglich kurz empört den Kopf schüttelt, um sich dann wieder „wichtigeren“ Dingen zuzuwenden, wer denkt, er habe nichts damit zu tun, er sei ja nicht fremdenfeindlich, der irrt. Denn wer einfach so zulässt, dass andere diskriminiert, kriminalisiert und beleidigt werden, der ist selbst kaum besser als die Täter selbst. Wer billigend in Kauf nimmt, dass anderen geschadet wird, der lädt selbst Schuld auf sich.

Selbst in unserer aufgeklärten Gruppe kam zu dieser Aussage teilweise die Meinung auf, dass es wenig bringt, wenn man für solche Minderheiten eintritt, da man „nur ein Einzelner ist“. Genau dieser unscheinbare, kleine Gedanke löste in unserer Klasse eine hitzige Diskussion darüber aus, inwiefern man als Einzelperson tatsächlich etwas bewirken kann. Einige waren der Meinung, dass man erst wirklich etwas verändert, indem man den Flüchtlingen aktiv hilft. Zum Beispiel, wenn man regelmäßig in Flüchtlingslagern arbeitet oder größere Summen spendet. Doch das ist falsch.

Denn schon nur der Versuch mit jemandem zu reden, der nicht gerechtfertigte Vorurteile hat, kann unter Umständen etwas bewirken. Auch wenn es nur so sein sollte, dass jene Person über diese Argumente nachdenkt, ohne ihr Verhalten sofort zu ändern, so kann es doch sein, dass sie es in Zukunft verstehen könnte. Wer also denkt, dass man als einzelnes Individuum wenig verändern kann, sollte sich an den Satz des Dalai Lama erinnern, der einmal sagte: „Falls du glaubst, dass du zu klein bist, um etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist.“

Wie können wir guten Gewissens leben, obwohl wir wissen was praktisch vor unserer Haustür für ein Unrecht geschieht? Warum gibt es nicht mehr Menschen, die sich für die Flüchtlinge stark machen? Warum so viele, die gegen sie hetzen? Warum so wenig Protest gegen den Rassismus im Netz?

Wir sind Menschen, also sollten wir uns auch menschlich verhalten. Wir sollten uns schon allein aus moralischen und ethischen Gründen, unseren Werten und unseren Tugenden, verpflichtet sehen, solche Hetze nicht zu dulden. Doch unsere moralischen Werte scheinen uns gerade dann abhanden zu kommen, wenn sie am dringendsten nötig wären.

Diese Hetze im Internet stammt zum Großteil von Leuten, die weder einen direkten Kontakt zu den Betreffenden hatten noch sagen können, dass beispielsweise ein Flüchtling ihnen Schaden zugefügt hätte.

Die Frage nach dem „Warum?“ ist schwer zu beantworten, allerdings ist einer der häufigsten Gründe Angst. Angst vor dem Fremden. Angst davor, dass das, was einem so vertraut ist, sich in etwas komplett Anderes wandelt. Dabei wird leider häufig übersehen, dass sich die Welt in einem ständigen Wandel befindet und dass das wenigste mit einer längeren Existenz gesegnet ist.

Dieser Glaube, dass durch den Zuwachs aus dem Ausland unsere Heimat erlischt, ist eine Mauer, eine Grenze, die es gilt zu überwinden!

Julia Sommerer, Lara Lischke und Sarah Bartmann (Ethik-Q11)