Flüchtlings-Chronik 2015

14. April 2015

400 Menschen kentern an der libyschen Küste im Mittelmeer und sterben.

18./19. April 2015:

700 Menschen aus Afrika und dem Nahen Osten kentern, 28 Menschen konnten gerettet

22. Juni 2015:

Im sächsischen Freital kommt es zu fremdenfeindlichen Ausschreitungen. Rechtsextreme protestieren gegen die Unterbringung von Asylbewerbern in einem ehemaligen Hotel und belagern das Gebäude. Es ist der Beginn vieler Demonstrationen und Proteste gegen Asylsuchende. Neonazis aus dem ganzen Land reisen nach Freital. Die Stadt wird zum Symbol von Fremdenhass und Rechtsradikalismus.

Juli 2015:

Der EU-Mitgliedsstaat Ungarn beginnt seine Grenze zu Serbien mit einem vier Meter hohen und 175 Kilometer langen Zaun zu schließen, um so die illegale Einwanderung von Flüchtlingen zu verhindern.

5. August 2015:

Ein weiteres Flüchtlingsboot kentert vor der libyschen Küste. Etwa 400 Menschen werden gerettet, 25 Leichen werden geborgen. An Bord waren etwa 600 Menschen.

25. August 2015:

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge setzt das Dublin-Verfahren für Syrer aus. In einer Leitlinie heißt es: „Dublin-Verfahren syrischer Staatsangehöriger werden zum gegenwärtigen Zeitpunkt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge weitestgehend faktisch nicht weiter verfolgt.“ Nach dem Dublin-Verfahren müssen Asylsuchende in dem Land ihren Antrag stellen, in dem sie die EU zuerst betreten haben.

27. August 2015:

In einem an der Autobahn abgestellten Lastwagen in Österreich findet die Polizei 71 tote Flüchtlinge.

31. August 2015:

Angela Merkel gibt ihre Sommerpressekonferenz, in der sie den für das Jahr 2015 prägenden Satz „Wir schaffen das“ sagt. Er wird zum roten Faden in der Flüchtlingsdebatte.

3. September 2015:

Das Foto des ertrunkenen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi geht um die Welt. Es wird zum Sinnbild der Flüchtlingskrise. Das Foto zeigt den Jungen, wie er tot am Strand der türkischen Küste liegt-

5./4. September 2015:

Die Lage in Ungarn wird immer dramatischer. Chaotische Szenen spielen sich ab. Kanzlerin Angela Merkel und ihr österreichischer Kollege, Werner Faymann, öffnen die Grenzen ihrer Länder für tausende in Ungarn in größte Bedrängnis geratene Flüchtlinge. Ohne bürokratische Hürden und Kontrollen dürfen sie einreisen. Viele zollen dieser Entscheidung Respekt. Andere kritisieren, dass Merkel die Zuwanderung damit befeuert hätte.

9. September 2015:

Dänemark stoppt den Zugverkehr mit Deutschland auf unbestimmte Zeit.

13. September 2015:

Deutschland führt vorrübergehend Grenzkontrollen an der Grenze zu Österreich ein. Damit ist das Schengen-Abkommen faktisch außer Kraft gesetzt. Der Zugverkehr wird für zwölf Stunden zwischen Österreich und Deutschland eingestellt.

15. September 2015:

Ungarn will auch die Grenze nach Rumänien abriegeln. Es ist außerdem der Tag, an dem sich Angela Merkel recht emotional zu ihrer Flüchtlingspolitik äußert und sich damit gegen ihre Kritiker verteidigt: „Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.“

18. September 2015:

Ungarn schottet sich weiter ab und baut auch einen Zaun an der Grenze zu Kroatien.

22. September 2015:

Die Innenminister der EU-Staaten einigen sich auf eine Aufnahmequote für Flüchtlinge. Ungarn, Tschechien, die Slowakei und Rumänien stimmen gegen die Verteilungsquote. 120.000 Flüchtlinge sollen verteilt werden.

19. Oktober 2015:

Beim Pegida-Jahrestag in Dresden versammeln sich 15.000 bis 20.000 Pegida-Anhänger – rund 14.000 Gegendemonstranten sind gekommen. Die Stimmung ist explosiv.

24. Oktober 2015:

Das Asylpaket I tritt in Kraft. Die wesentlichen Ziele der gesetzlichen Änderungen betreffen die Beschleunigung der Asylverfahren. So werden Albanien, Kosovo und Montenegro zu sicheren Herkunftsstaaten bestimmt, um die Asylverfahren derStaatsangehörigen dieser Länder weiter zu beschleunigen. Außerdem entlastet der Bund die Länder und übernimmt die Kosten für die Asylbewerber in Höhe einer Pauschale von 670 Euro pro Monat.

25. Oktober 2015:

Beim Flüchtlingsgipfel in Brüssel einigen sich die Staats- und Regierungschefs auf einen 17-Punkte-Plan, der die Flüchtlingskrise entschärfen soll. Der Plan sieht unter anderem vor, dass andere EU-Staaten innerhalb einer Woche mehr als 400 zusätzliche Grenzschützer in das vom Flüchtlingsandrang überforderte Slowenien schicken. Außerdem soll die EU-Grenzschutzagentur Frontex die Grenzen besser absichern, etwa zwischen Griechenland, Mazedonien und Albanien sowie an der kroatisch-serbischen Grenze.

29. Oktober 2015:

Die Polizei findet die Leiche des vermissten Mohamed in einem Kofferraum. Wenige Tage später gesteht der 32-Jährige Tatverdächtige auch den Mord an Elias. Der Junge war im Sommer in Potsdam von einem Spielplatz verschwunden.

30. Oktober 2015:

22 Flüchtlinge sterben auf ihrer Reise nach Europa im Mittelmeer in der Ägäis.

10. November 2015:

Deutschland will syrische Asylbewerber künftig wieder nach dem Dublin-Verfahren in die EU-Länder zurückschicken, über die sie in die Europäische Union eingereist sind.

20. November 2015:

CSU-Chef Horst Seehofer kritisiert Bundeskanzlerin Angela Merkel öffentlich beim Bundesparteitag wegen ihres liberalen Flüchtlingskurses.

29. November 2015:

Vertreter der Europäischen Union und der Türkei einigen sich auf einen Aktionsplan zur Bewältigung der Flüchtlingskrise. Die EU stellt dafür drei Millionen Euro zur Verfügung. Ankara sicherte zu, heimische Küsten besser zu schützen und effektiver gegen Schlepper vorzugehen.

1. Dezember 2015:

Das Asylpaket II mit weiteren Verschärfungen wird nicht wie angekündigt am 1. Januar in Kraft treten. Unter anderem soll es durch das Asylpaket Einschränkungen beim Familiennachzug geben. Außerdem soll es besondere Aufnahmezentren für Flüchtlinge geben, die aus sicheren Herkunftsländern kommen. Union und SPD sind sich nicht einig.

19. Dezember 2015:

Für 18 Flüchtlinge ertrinken in der türkischen Ägäis bei ihrer Überfahrt nach Europa.

22. Dezember 2015:

Beim Untergang eines Flüchtlingsbootes vor der türkischen Grenze sterben elf Menschen auf dem Weg von der Türkei nach Samos.

4. November 2016:

Nach UN-Angaben starben im Jahr 2015 3771 Menschen bei der Flucht über das Mittelmehr, 2016 waren es bisher bereits knapp 4000 Menschen.