Unser Projekt

„Fremdenfeindlichkeit“ – beleuchtet an der LEA Ellwangen von Anfang April 2015 bis Anfang November 2016

Auf Grund der ab April 2015 in Europa einsetzenden, brisanten Flüchtlings- und Zuwanderungs-Situation befassten sich im Schuljahr 2015/2016 die Ethik-Klasse10 des Gymnasiums Feuchtwangen (Lehrplanbezug: Friedens- und Menschenethik, anlehnend an Albert Schweitzer) mit der Thematik „Friede“, Fremdenfeindlichkeit und „Solidarität“.

In unserem Projekt „Ein bisschen Friede“ schlussfolgerten wir (fächerübergreifend mit der Musikklasse 9c), dass wenn ein Jeder „ein bisschen Friede“ für sich verinnerlichen würde, also tatsächlich eine Friedens-Einstellung annehmen, einnehmen und vorleben würde, und somit „Fremdenfeindlichkeit“ im wahrsten Sinne des Wortes ein „Fremdwort“ werden würde, wir alle gemeinsam in einem friedlichen Europa, in Solidarität und ohne Fremdenfeindlichkeit zusammenleben könnten.

Eigens zur Umsetzung dieser Projektidee fuhren wir Ethik 10 (gemeinsam mit der Musikklasse 9c des Gymnasiums Feuchtwangen) am 16. Dezember 2015 in die Landesaufnahmeeinrichtung LEA für Flüchtlinge nach Ellwangen (1. LEA-Exkursion), um vor Ort (35 km entfernt von unserer Schule) uns selbst ein Bild von den damals über 3500 untergebrachten Flüchtlingen zu machen. Die bewegenden Eindrücke (Führung durch den stellvertretenden Leiter der LEA, Roland Herzog, und spontane Gespräche mit den Flüchtlingen) verarbeiteten wir in unserem Musikvideoclip „Ein bisschen Friede“, worin ein Flüchtling sich sehnlichst nur eines wünscht, nämlich: „Schenkt jedem hier auf dieser Welt ein bisschen Friedeschenkt Friede auf der Welt, führt keine Kriege.

Im Schuljahr 2016/17 fuhren wir Ethiker (nun Ethik-Q11) erneut in die LEA Ellwangen (2. LEA-Exkursion) (Lehrplanbezug: Theorie und Praxis des Handelns/ Auseinandersetzung mit den Grundbegriffen Moral, Ethik, Werte und Normen) um mit dem Leiter der LEA, Berhold Weiß, über die im zurückliegenden Jahr zahlreichen fremdenfeindlichen Schlagzeilen und Berichterstattungen, worin die Flüchtlinge, egal ob aus Irak, Syrien oder Algerien stammend, als „gefährlich“ und „verbrecherisch“ dargestellt wurden, zu sprechen.

Kaum dass wir dieses Interview auf YouTube (unter „Grenzen im Kopf“ – Fremdenfeindlichkeit?) hochgeladen hatten, kam bereits nach zwei Stunden der erste fremdenfeindliche Kommentar: nämlich „keine Toleranz der Islamisierung!“

Eine Thematik unseres Projekts >>Grenzen im Kopf – Wie fremdenfeindlich sind wir wirklich ? am Beispiel der Landesaufnahmeeinrichtung (LEA) für Flüchtlinge in Ellwangen<< war die am 25. Januar 2016 bundesweit  – auch in Ellwangen – stattgefundene Demonstrationen der Russland-Deutschen gegen die Flüchtlinge.

Hier beschäftigte uns die Tatsache, dass Ellwanger Rußland-Deutsche, die vor mehr als 20 Jahren von den Ellwanger Bürger/innen willkommen geheißen worden waren, nun (als „ehemalige Fremde“) vor dem LEA-Eingangstor mit fremdenfeindlichen Parolen gegen die LEA-Flüchtlinge (die aktuell „neuen Fremden“) demonstrierten.

Die Vorurteile gegen die Flüchtlinge, wie zum Beispiel, dass deren hohe Geburtenrate womöglich in ein paar Dekaden die europäische Bevölkerungsstruktur verändern könnte; oder dass deren muslimische Glaubensrichtung den europäischen Glauben zunichte machen könnte; oder dass die Flüchtlinge sich durch eine unkontrollierbare Gewaltbereitschaft auszeichnen würden; sind falsch und schüren ausschließlich die Angst der Europäer.

Wir alle müssen vorurteilsfrei realisieren, dass es sich hier um Menschen handelt, die Menschen sind, wie Du und ich und die vor Tod und Zerstörung fliehen. Und diese Menschen brauchen unsere Hilfe und nicht unsere Ablehnung.

Die Europäische Union, die sich durch ihr weltweit starkes Wirtschaftssystem, ihr funktionierendes Sozialsystem, ihre Infrastruktur, ihre Demokratie und ihre funktionierende Industrie auszeichnet, kann diese Flüchtlingskrise meistern, wenn sie will.

Und wenn wir gegenüber den Flüchtlingen nicht Menschlichkeit zeigen und nicht mit Verstand, also nicht vorurteilsfrei und nicht menschenfreundlich handeln – uns nicht persönlich engagieren, wie das beispielsweise der Ellwanger Rainer Ebert in seinem Online-Blog „gegen fremdenfeindliche Hetze-Kampagnen“ seit eineinhalb Jahren tut -, machen wir uns mitschuldig, wenn weiterhin viele tote Kinder an unsere europäischen Strände gespült werden.

xenophobie

Wollen wir tatsächlich in die Geschichte eingehen als die reichen xenophobischen* Feiglinge hinter Zäunen?

*Xenophobie = Hass auf Fremde

Carolin Binder, Sarah Engelhardt und Katharina Wolf (Ethik-Q11)