Firma Brinkmann

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Die Hallen der Firma Brinkmann

Der Firmenkomplex der Firma Brinkmann, hier steht heute der Hauptsitz der Kreissparkasse

„Ab 1930 beginnen die Nationalsozialisten auch in Eschwege über ihre Zeitungen Wind gegen Juden und Sozialdemokraten zu machen, so beschuldigt die bei Kassel erscheinende Zeitung ‚Hessische Volkswacht’ die Geschäftsführer der jüdischen Textilfabrik Brinkmann, die Firma hätte Arbeitern die bevorstehende Kündigung ausgesprochen, sofern sie ein zweites Mal eine Veranstaltung der Kreisbauernschaft Eschwege besuchen würden und dabei ihre Zustimmung zu den Ausführungen der Redner mit Beifall unter Beweis stellen würden. Weiter heißt es: Die Firma Brinkmann ist selbstredend in jüdischen Händen und uns wohl bekannt, denn sie war es, die die Not der Arbeitslosen mit einem, im Verhältnis zum Vermögen dieser Leute, recht kleinen Betrag lindern wollte, mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass kein Nationalsozialist was davon bekommen darf. Es ist fraglich, ob ein Nationalsozialist, von diesen Geldern etwas angenommen hätte. Der Jude weiß aber, wie man mit kleinen Geschenken große Geschäfte macht. Denn die SPD-Jünger, die ‚Bekämpfer des Kapitalismus’ loben und schützen für die Pfennige nun ihre Kapitalisten, die wirklichen Kapitalisten, […] denn kaum ein Mensch in Eschwege kann sich einen Luxus leisten, wie die Inhaber dieser Firma, was Kenner der Verhältnisse bestimmt behaupten. Der eine kauft sich ein deutsches Haus für schweres Geld und ließ alles, was deutsch in diesem Haus war, herausreißen und durch Modernes ersetzen. Vielleicht können diese Schützer der SPD da tätig werden. Jedenfalls steht das eine fest, ein ‚SPD-Jünger’ verrät seinen Kameraden an ihren gemeinsamen Feind, den Juden, wenn er nur ein paar Zigarren dabei mehr verkaufen kann.“

Eine ablehnende Reaktion der Firma gegenüber der Kreisbauernschaft wäre jedoch nachvollziehbar, da Eduard Weiß, nachfolgender NSDAP-Kreisleiter, als Leiter der Kreisbauernschaft in seinen Reden gegenüber Bauern und Mitgliedern der Kreisbauernschaft gegen über Juden, Kommunisten und Sozialdemokraten herzog.[1]

Der Vorstand der Firma weist alle Anschuldigungen zurück

Schon am nächsten Tag erscheint eine Berichtigung im Eschweger Tageblatt.

 

Die Firma Brinkmann widerlegt diese Anklage der Zeitung jedoch im Eschweger Tageblatt vom 28.01.1931. Ihr Artikel endet mit einer Warnung, dass alle rechtlich denkenden Menschen solcher Hetze entgegentreten müssten! Wenn man die geschichtliche Entwicklung betrachtet, kann man wohl beurteilen, ob sich die Bürger diese Warnung zu Herzen nahmen.

 

In welcher Art und Weise die ‚Hessische Volkswacht’ alle und jeden anklagte, wird wohl aus einem Fall klar, der sich direkt gegenüber der Firma wenige Monate vorher zugetragen hatte.

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Quellen:

  1. Anna Maria Zimmer: Juden in Eschwege. Entwicklung und Zerstörung der jüdischen Gemeinde, Eschwege 1993, Seite 93

Bildquellen: © Stadtarchiv Eschwege