Raiffeisenhaus

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Von diesem Haus aus organisierte die NSDAP im Kreis Eschwege ihr Handeln.

Der Kreisleiter der NSPAP, der selbst vor seinem Amt in der Kreisbauernschaft aktiv war, war der Meinung, dass die Verschlechterung der Lage durch die Krise bei den Landwirten dazu führte, dass sie zur NSDAP gingen. So sei die Anregung für eine NSDAP-Ortsgruppe Eschwege von der Ortsgruppe aus Wanfried, einem vergleichsweise ländlichem Gebiet, gekommen.

Die NSDAP sei erst nach 1928 in Eschwege in Erscheinung getreten, nachdem die Partei umliegend schon Fuß gefasst hatte. [1]

Ich hingegen weiß, dass die NSDAP zwar auch von Landwirten gewählt wurde, jedoch nicht ausschließlich, wie der Kreisleiter, der jedoch auch sein Haupt-Augenmerk auf diese Gruppe richtete, behauptet. Gewählt wurde sie weiterhin von Geschäftsleuten und Arbeitern und auch die Mitglieder bestanden vermehrt aus Landwirten, Lehrern, Inhaber von Geschäften, Angestellten und Arbeitern, ja einfach durch die meisten Schichten hinweg. [2]

 

Die anderen Parteien konnten dies selbst in der Krise nicht von sich behaupten, sie besaßen stets die Wähler, die sie mit ihren Programmen ansprachen.

 

Die NSDAP war als einzige Partei eine ‚Integrationspartei‘ sie besaß ein weites Wählerfeld, sie war also für alle sozialen Schichten wählbar, also wie eine Volkspartei.

Alle anderen Parteien waren ‚Partikularinteressenparteien‘, sie besaßen ein kleineres Wählerfeld mit festem Wählerstamm.

Gerd Strauß [3]

Doch aus welchem Grund gaben die Wähler der NSDAP ihre Stimmen?

In einer Zeit, in der jeder die Krise zu spüren bekam versuchte die NSDAP-Propaganda die wirtschaftliche Notlage breiter Bevölkerungskreise zu nutzen und damit die Unzufriedenen aller Bevölkerungsschichten für die Partei zu gewinnen. [4]

Die Partei versuchte ab 1929 mit mehr und mehr Veranstaltungen ihre Propaganda zu verbreiten, in der sie auf die Notlagen und Emotionen der Bevölkerung, die durch die Krise entstanden waren, einging. [5]

„Dabei hetzte sie auch immer und immer wieder gegen die Juden als Schande für das deutsche Volk. Damit befeuerte sie den Judenhass, den schon meine Urahnen zu spüren bekommen hatten.“ [6]

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Quellen:

  1. Hans-Werner Posdziech (Hg.): Alltag im Nationalsozialismus der Stadt Eschwege, Gießen 1982, S. 75
  2. Maria Zimmer: Juden in Eschwege. Entwicklung und Zerstörung der jüdischen Gemeinde, Eschwege 1993, Seite 93; Winfried Speitkamp: Eschwege: Eine Stadt und der Nationalsozialismus, Marburg 2015, S. 32; :Karl Kollmann (Red.): Geschichte der Stadt Eschwege, Eschwege 1993, Seite 144
  3. Die Krise der Weimarer Republik und die Ursachen ihres Scheiterns. Aus: Gerd Strauß: Unterrichtsmaterialien OG-Q2-Geschichte-LK-2015-2016
  4. Die Krise der Weimarer Republik und die Ursachen ihres Scheiterns. Aus: Gerd Strauß: Unterrichtsmaterialien OG-Q2-Geschichte-LK-2015-2016
  5. Anna Maria Zimmer: Juden in Eschwege. Entwicklung und Zerstörung der jüdischen Gemeinde, Eschwege 1993, Seite 91
  6. Brief von Karl Goldschmidt an Anna Maria Zimmer,17. Januar 1975

    Bildquellen: © Raiffeisenhaus alt, NS; Stadtarchiv Eschwege, Raiffeisenhaus neu; Paul Hartmann