Haus Stad „neben Junghans“

Audioguide:

 

„In diesem Haus hier war einst das Schokoladengeschäft von Paul Rahe, dort klebten, wenn ich mich recht erinnere, immer die ‚schönen‘ Seiten des ‚Stürmers‘ im Schaufenster. Diese unglaublichen Artikel sind doch viel mehr ein Beweis der Mentalität der Nichtjuden gewesen. Wenn ihr sie heute lest, müssen sie euch wie ein Witz vorkommen. Jedoch war die deutsche Mentalität leider so, dass vieles geglaubt wurde. Die Juden scherten sich nicht um die Artikel, aber sie waren die Tragödie Deutschlands.“ [1]

Bild eines Stürmerkastens

In diesen Kästen hing der Stürmerverlag seine Zeitschrift aus ©Stadtarchiv Worms

Doch nicht nur hier wurde der ‚Stürmer‘ ausgehangen, auch in einem Schaukasten bei einem Kiosk in der Bahnhofstraße konnte man diese grässlichen Zeilen lesen. [2]

 

Wie weit der ‚Stürmer-Verlag‘ jedoch wirklich ging, um diese kranken Wertvorstellungen zu verbreiten, zeigt seine Lesefibel. Dieses Buch gab man für kleine Kinder, für Leseanfänger heraus.
Ihr könnt es euch hier einmal ansehen:


 
Doch nicht nur die Zeitungen der Nazis waren voller Propaganda, nach ihrer Machtergreifung verbreiteten sie ihre kranke Ideologie auch in unserer lokalen Presse.

Die erste Auflage der Beilage SA-Mann voran im Eschweger Tageblatt

Das Interview mit dem SA- Chef Ernst Röhm erschien in der ersten Auflage des SA-Mann voran im Eschweger Tageblatt.

Am 16. September 1933 erschien im ‚Eschweger Tageblatt‘ zum ersten Mal die Beilage ‚SA- Mann voran‘, mit einem Interview des Chefs des Stabes von SA und SS Hauptmann a.D Ernst Röhm.

Diese wiederkehrende Beilage sollte, nach dem Herausgeber (Köhler, ‚Führer‘ der SA-Standarte 353),

„…dazu beitragen, dass der schlichte und stets opferbereite, aber unüberwindliche SA-Geist hineingetragen wird in die letzten Herzen unseres erwachten Vaterlandes.“ [3]

„Ja, es war mein Vaterland, das Vaterland meiner ganzen Familie, schon seit vielen Generationen, doch dies schienen selbst manche Eschweger Bürger, die dies wussten, schnell zu vergessen.

An diesem 21. März, dem ‚Tag von Potsdam‘, fand nämlich die feierliche erste Eröffnung des Reichstags nach nationalsozialistischer Machtergreifung in der Garnisonskirche von Potsdam statt.

Beitrag einer lokalen Dichterin

Dieses Gedicht erschien am nächsten Tag als Abschluss des Berichtes über die vorausgegangen Geschehnisse.

Die Feierlichkeiten an diesem Tag begannen mit dem Wecken von Spielmannszug und SA um 6:30 und über den ganzen Tag stand Eschwege im Zeichen der neuen Regierung. [5]

So zeigten die Nazis an diesem Tag das Gesicht, mit dem sie die Bevölkerung verblendeten, dessen Kehrseite jedoch für die Juden bestimmt war. Und so kam es auch in Eschwege, wie in anderen Städten am Abend, nachdem den Tag über Rundfunkübertragungen durch die Straßen schallten, zu einem Fackelzug. [6]

Am nächsten Tag beschreibt auch das Eschweger Tageblatt die vorangegangen Feierlichkeiten in den höchsten Tönen. [7]

Weiter zur nächsten Station!


Quellen:

  1. Brief von Karl Goldschmidt an Anna Maria Zimmer, 17. Januar 1975
  2. Anna Maria Zimmer: Juden in Eschwege. Entwicklung und Zerstörung der jüdischen Gemeinde, Eschwege 1993, Seite 123
  3. ‚SA-Mann voran‘, In: Eschweger Tageblatt, Nr. 217, 16.09.1933
  4. Ruthi Keisar, Email an P. Hartmann, 25.12.2015
  5. Eschweger Tageblatt, Nr. 68, 21.03.1933
  6. Eschweger Tageblatt, Nr. 68, 21.03.1933
  7. Eschweger Tageblatt, Nr. 69, 22.03.1933

    Bildquellen: wenn nicht anders vermerkt © Stadtarchiv Eschwege