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Täglich wurde die Freizeit in Theresienstadt durch Lesungen, Konzerte und Theateraufführungen gestaltet. Jedoch konnten die Aufführungen nicht von Jedem besucht werden, da eine Eintrittskarte benötigt wurde.

 

Die Freizeitgestaltung war durchaus nicht eine Erholungsphase für die Inhaftierten. Die Darbietungen waren nicht allen Gefangenen zugänglich. Und viele der Inhaftierten haben sich auch freiwillig davon distanziert.

 

Entgegengesetzte Ansichten finden sich aber auch.

 

Für ihn [Hugo Friedmann] war Kultur die Möglichkeit, sich in diesem rundum unerfreulichen Milieu eine Oase zu schaffen, in der man atmen konnte.

 

Diese Freizeitgestaltung, die das jüdische Kulturleben wach hielt und weiterpflegte, lässt sich als Auflehnung gegen das Regime verstehen. Denn den Nationalsozialisten zufolge waren Juden zu keiner kulturellen Aktivität fähig. Die Juden wollten beweisen, dass sie eine Kultur hatten, die sie pflegen und weiterführen wollten und konnten. Durch die Freizeitgestaltung war ihnen dies möglich. Als weitere Bestätigung ihrer Fähigkeit zu einem Kulturleben war, dass sie Rezensionen verfassen konnten. Diese wären außerhalb des Lagers von Theresienstadt zensiert oder gar nicht veröffentlicht worden. So lassen sich diese Rezensionen als Widerstand und als Unabhängigkeit deuten. Juden in Theresienstadt bekamen auch mehr Freiheit, weil sie öffentlich auftreten und komponieren konnten.

 

Das Künstlerleben erhielt einen Aufschwung als mehrere Künstlergruppen gegründet wurden zum Beispiel das Thorn- und Hofer- Kabarett. Als im September 1942 die Freizeitgestaltung zugelassen wurde und viele Musiker nach Theresienstadt kamen, steigerte sich das kulturelle und künstlerische Leben – allerdings, wie man betonen muss, hinter den Stacheldrähten eines hermetisch abgeriegelten Lagers aus dem es kein Entrinnen gab.

Wegen des Papiermangels war Notenpapier rar; Komponisten blieb nichts anderes übrig, als die Rückseiten von Personenakten oder ähnlichen Unterlagen zu verwenden.

Neben der Freizeitgestaltung mussten die Gefangenen täglich zehn bis zwölf Stunden in Werkstätten, die das deutsche Militär belieferten, in der Landwirtschaft oder in der Verwaltung arbeiten.[7]

 

Für manche Gefangene war es qualvoll die Musik anzuhören und ihrem Klang nicht entkommen zu können. Andererseits gab es Inhaftierte, die die Musik als eine Kraft, oder als eine Bestätigung der Menschlichkeit ansahen. Das geringe kulturelle Leben, das sie aufrechterhalten konnten, vermittelte ihnen die Gewissheit, menschliche Wesen zu sein.