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Das NS-Kinderlager für Mädchen unterlag einer strengen Lagerordnung; die Lehrer- und Führerinnen waren humorlos und achteten rigoros auf Disziplin.

„Jeder „Verstoß“, sei er noch so unbedeutend, wurde bestraft.“

 

Diese Bestrafungen bestanden aus Schikanen, Gemeinheiten oder Abkanzeln von anderen Mädchen. Ziel war es, die Kinder zu guten „Volksgenossen“ zu erziehen. Während des Schulunterrichts ließen die Lehrerinnen BDM-Lieder (Bund Deutscher Mädel) und NS- Kampflieder (Nationalsozialistische) auswendig lernen und singen.

Ältere Mädchen dachten sich neue Liedtexte aus oder schrieben alte um. „Swing- Jugend“ nannte man diese Gruppe verächtlich und ließ sie, wenn sie ertappt wurden, mehrere Stunden neben der Fahne stillstehen. Etliche Mädchen fielen bei dieser Tortur in Ohnmacht.

Der akkurat geplante Tagesablauf war äußert streng geregelt und begann mit dem morgendlichen Hissen der Fahne. Nachdem eine Führerin ein Zitat von Adolf Hitler vorgelesen hatte, stimmte man das Deutschlandlied, das Horst-Wessel-Lied oder ein NS- Kampflied an.

„Alles mußten wir bei erhobenem rechten Arm singen.“

Auch vor dem Mittagessen wurde gemeinsam ein Lied gesungen, zum Beispiel „Es geht eine helle Flöte“. Während der Mittagsruhe mussten alle Mädchen auf ihrem Bett liegen. Verließen sie ihr Zimmer und wurden erwischt, erhielten sie kein Abendessen.

Nachmittags nach den Schularbeiten mussten sie Obst pflücken oder, bei schlechtem Wetter, Wäsche ausbessern oder Holzklötze mit Schmirgelpapier bearbeiten. Während all dieser Tätigkeiten sangen die Mädchen Lieder, die eine Führerin ausgewählt hatte.

Wöchentlich fand einmal ein so genannter „politischer Nachmittag“ statt. Lehrerinnen lasen Zeitungsberichte vor und kommentierte sie. Häufig wurde nach dem Abendessen gesungen.

„Wir verhunzten die Texte, wo immer wir konnten.“

Das NS-Kinderlager wurde gegen Ende des Jahres 1944 aufgelöst.

Dieser Text beruht auf einem Bericht von einer Zeitzeugin, jedoch ist mir nicht bekannt, in welches Kinderlager das Mädchen eingewiesen worden war.