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Das Frauenorchester in Auschwitz-Birkenau wurde im Frühjahr des Jahres 1943 auf Befehl von Franz Höpler und Maria Mandl gegründet. Dieses Orchester war beziehungsweise ist einmalig, weil es das erste Frauenorchester war. Es gab nur wenige Musikerinnen, die eine abgeschlossene Ausbildung oder Orchestererfahrungen hatten. Daher war es schwierig, diese Musikerinnen zu ersetzen. Deshalb wurden sehr wenige Musikerinnen für die Gaskammer selektiert; Musikerinnen erhielten eine Sonderstellung. Im Gegensatz zu dem Männerorchester mussten die Frauen nur Proben und keine andere körperliche Arbeit ausführen. Somit waren sie dem Wetter nicht ausgesetzt und mussten keinen Stehappell über sich ergehen lassen. Dennoch war das Proben äußerst anstrengend, denn es beanspruchte mindestens acht Stunden täglich und fand an sechs Tagen in der Woche statt. Ein professioneller Musiker heute übt nicht einmal die Hälfte der Zeit. Die Musikerinnen waren privilegierte Häftlingsfrauen und hatten angenehmere Lebensumstände.

 

„Es war für dortige Verhältnisse ein Paradies für uns (…)“

 

Die zweite Dirigentin Alma Rosé verbesserte die Situation des Frauenorchester, indem sie erreichte, dass die Musikerinnen nicht mehr bei schlechtem Wetter draußen spielen mussten. Alma Rosé forderte höchste Konzentration, äußerste Disziplin und stellte hohe Ansprüche, wodurch sich das Niveau des Orchesters erheblich verbesserte. Sie sollten- so die Absicht der Dirigentin- für sich anstatt für die SS spielen, um ihre Selbstachtung zu wahren. Emotional legten sich die Musikerinnen einen Schutzpanzer gegen die Lagerwelt zu, öffneten sich jedoch für die Musik.  Ständig mussten sie „aufspielen“, entweder am Lagertor, bei der Ankunft von Transportzügen, bei Selektionen, bei Lagerinspektionen, an christlichen Feiertagen, beispielsweise Weihnachten, an Privatfeiern, in dem Krankenbau oder sonntags in Konzerten.

 

„Obwohl wir versuchten, uns auf das Spiel zu konzentrieren, war es unmöglich, diese Szenen nicht zu sehen: Die Leichen der bei der Arbeit Totgeschlagenen (…) Schläge, Fußtritte, Schüsse in die Reihen (…) das Spielen von Musik, während das Leichenkommando daneben die bis auf die Knochen abgemagerten Leichen einsammelte, die zum Verbrennen ins Krematorium geworfen werden sollten.“

 

Morgens und abends hob die Dirigentin den Taktstock auf Befehl der SS um solange Märsche und Wanderlieder zu spielen bis alle Gefangene das Tor passiert hatten. Sie sollten einen blauen Rock, schwarze Wollstrümpfe, eine gestreifte Häftlingsjacke und ein weißes Kopftuch tragen. Im Winter trugen sie einen Mantel. Bei offiziellen Auftritten trugen sie einen dunkelblauen Faltenrock, eine weiße Bluse und ein blaues Kopftuch, um einen sauberen, korrekten und angenehmen Eindruck hervorzurufen.

 

Die Proben und die Auftritte waren zwei vollständig verschiedene Welten. Konnten die Musikerinnen bei den Proben selbstbestimmt vorgehen, die Lagerwelt für einen Augenblick vergessen und Freude am gemeinsamen Musizieren haben, so waren die Auftritte im Lager, vor der SS oder vor den Mitgefangenen, extrem qualvoll und bedrückend, weil sie mit anderen Häftlingen und deren noch größerem Leid konfrontiert waren. Bei den Proben konnten sie sogar verbotene Stücke und Lieder musizieren, um sich dadurch gegenseitig Mut zu machen, aufzuhelfen, sich gegenseitig stärken.Bei Auftritten mussten sie mit ansehen, wie Menschen dem Tod entgegen gingen; sie spürten und wussten, dass sie selbst gezwungen worden waren, ein Teil dieses unmenschlichen des Vernichtungsapparates zu sein.

Um während den Auftritten selbstbestimmt zu Handeln, studierten sie jüdische Lieder ein, die sie manchmal vortrugen. Die SS merkte, zu ihrem Glück nicht, dass vor ihren Augen verbotene Musik erklang.

 

 „Und mit unendlichem Vergnügen, noch viel genüßlicher sehen wir sie dem e-Moll-Violinkonzert von verbotenen (…) Bei jeder Aufführung lächeln wir uns verstohlen zu- obwohl wir wissen, welches Risiko wir wagen. Wir genießen voll und ganz ihre selig strahlenden Gesichter, wenn sie dieser verpönten Musik zuhören.“

 

Ab Ende Juni 1943 spielten sie im Häftlingskrankenbau. Anzunehmen ist dass, die SS nicht die letzten Stunden der Kranken verschönern wollte, sondern vielmehr das Gegenteil. Sie führ