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„Nein, wir haben keine Trauermärsche gespielt! Im Gegenteil, die Märsche, die wir gespielt haben […] waren fröhliche, schwungvolle bunt zusammengestellte, lustige, und ihre Aufgabe war es zur Arbeit und zur Lebenslust΄ anzuregen, gemäß dem Motto des Lagers: „Arbeit macht frei“ -„Arbeit macht den Menschen frei“

 

Tatsächlich waren die Häftlinge keineswegs frei, das Gegenteil war vielmehr der Fall. Nur die Musiker schafften es, durch ihrer Arbeit eine gewisses Quantum an Freiheit zu bewahren. Manche Musiker waren verpflichtet, Noten zu schreiben und diese für die einzelnen Stimmen zu vervielfältigen. Die meisten Musiker mussten neben dem Musizieren auch körperlich arbeiten. Die Aufgaben bestanden aus einfacheren Tätigkeiten im direkten Vergleich zur harten körperlichen Zwangsarbeit der anderen Häftlinge. So konnte der Dirigent Szymon Laks die Lagerleitung davon überzeugen, Musiker nur leichte körperliche Beschäftigungen zu geben. Denn nur so würden – nach Aussage von Laks – die Finger der Musiker nicht überbeansprucht und folglich könnten sie beim Musizieren nach wie vor einen guten Klang erzeugen und rhythmisch exakt zu spielen.

 

Musik wirkte ganz unterschiedlich auf die Menschen in den Lagern. Der SS musste die Musik zur Unterhaltung und Entspannung herhalten. Sie konnten sich jederzeit Musiker auf ihre Zimmer holen, damit diese ihnen etwas vorspielten. Gezielt setzte die SS Musik im Lageralltag ein, beispielsweise um Neuankömmlinge abzulenken und über den Schock bei der Ankunft in einem Lager hinwegzutäuschen.

 

Häftlinge empfanden die Musik entweder entlastend oder belastend. Sie fühlten sich entweder innerlich befreit und erhoben. Für andere Gefangene war die Musik entwertet, denn in ihren Augen war sie längst in ihr Gegenteil verkehrt worden und diente nur noch der Aufrechterhaltung einer völlig unmenschlichen Lagerordnung. Musik half zahlreichen Inhaftierten, den Lageralltag überhaupt zu überstehen. Für viele andere Eingesperrte hingegen erschwerte und verschlimmerte der pervertierte Einsatz der Musik den Lageralltag.

Man unterteilt die Häftlinge in „Prominente“ und „Bettler“. „Prominenten“ erleichterte die Musik ihren Alltag im Lager und schmückten ihn gewissermaßen aus. „Bettler“ bedrückte die Musik und verstärkte in ihnen denAlptraum ihrer physische und psychische Situation.

 

„Enough of this! Stop! Begone! Clear out! Let us croak in peace!“ ( Genug! Stopp! Geh raus! Lass uns in Frieden krepieren!)

 

Diese Erfahrung machte Szymon Laks, als er an Weihnachten 1943 in der Krankenbaracke des Frauenlagers in Auschwitz-Birkenau musizierte.

Musik stärkte die Musiker geistig und körperlich. Sie wurde zur Überlebenshilfe und zur Form des inneren Widerstandes, wenn heimlich verbotene polnische Musik gespielt wurde.

Die Musiker versuchten unter Neuankömmlingen alle Musiker ausfindig zu machen, um ihnen dadurch das Leben zu retten.

 

Musik wurde ernsthaft komponiert und zur Unterhaltung und zum Konsum eingesetzt. Über jedes neue Instrument freute sich ein Orchester, wie klein oder groß es war, selbst wenn ihnen bewusst war, dass der Vorbesitzer nicht mehr lebte.

 

Deutsche galten als Musikliebhaber, deshalb ließen sie sich ihre Lieblingsstücke vorspielen. Sie wollten während schrecklicher Ereignisse, wenn beispielsweise eine Hinrichtung durch den Strang stattfand, keine Musik hören. Dafür liebten sie – angeblich – die Musik zu sehr. Dies steht im Gegensatz zu der Begründung, dass Musik die Häftlinge zur Arbeit „anregen“ und „aufmuntern“ sollte. Weil die Gefangenen bereits wussten, dass sie sterben werden, sei es aufgrund der harten Arbeit oder der Mordexzesse SS.War Musik für einige Häftlinge ein negativer Faktor, stellte Musik für die Musiker das Überleben dar.