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Viktor Ullmann  wurde am 1. Januar 1898 in Teschen geboren. Seine Eltern, Malwine und Maximilian waren beide jüdisch, jedoch konvertierten sie zum Katholizismus.

Ab 1908 erhielt Viktor Ullmann seinen ersten Musikunterricht und fing nach kurzer Zeit an zu komponieren. Nach seinem Umzug nach Wien im Jahr 1909 unterrichtete ihn Josef Polnauer, ein ehemaliger Schüler von Arnold Schönberg. Nach dem Abitur ging er im Mai 1916 als „einjährig Freiwilliger“ zur Festungsartillerie in Wien, worauf er kurze Zeit später, also während des Ersten Weltkriegs eingezogen wurde. Mit 19 Jahren erhielt er (1917) die Silberne Tapferkeitsmedaille am Isonzo. Sein Alltag bestand aus Militär, Musizieren und Komponieren. Während er Gedichtzkyklen vertonte, inspirierten ihn Komponisten wie Schönberg und Mahler.

Nach dem Krieg besuchte er das „Kompositions-Seminar“ von Arnold Schönberg.

 

Er heiratete Martha Koref am 24.Mai 1919 wie er war sie eine Schülerin des Komponisten Arnold Schönberg. Das Paar zog nach Prag, um dort einen Neuanfang zu wagen. Ullman verfasste zunächst Rezensionen für Musikblätter und gab Kompositionsunterricht. Später vertonte er Dramen und schrieb Lieder für Sopran und Klavier. Sein internationaler Durchbruch erlangte er im Jahr 1929 auf dem IGNM-Fest (Internationale Gesellschaft für Neue Musik) in Genf, wo seine Schönberg-Variationen vorgetragen wurden.Ab dem 31. Juli 1931 leitete er den Buchladen „Novalis Bücherstube“ am Charlottenplatz in Stuttgart, dem damaligen Zentrum der Anthroposophie in Deutschland. Viktor Ullmann wollte sich „(..)ganz der Anthroposophie widmen “. Anzunehmen ist, dass er in dieser Zeit eine Kompositionskrise hatte. Dies geht aus seinem zahlreichen Briefen hervor.

 

Im Juli 1933 flohen Viktor und Martha Ullmann aus Stuttgart nach Prag, da der Buchladen überschuldet war und die gerichtlichen Konkursverfahren verschärft worden waren. In Prag gab er private Musikstunden, schrieb Rezensionen, hielt Vorträge und begann erneut zu komponieren. Seine Klavierkonzerte sind sprühend und kraftvoll.Seine erste Klaviersonate nach seiner Schaffenskrise komponierte er 1938. Er ließ sich von seiner Frau am 5. August 1941 scheiden und heiratete in demselben Jahr Elisabeth Frank-Meissl.

 

Am 8. September 1942 wurde er mit zahlreichen anderen Gefangenen nach Theresienstadt deportiert. Die Ankunft in Theresienstadt muss für alle Häftlinge ein unvorstellbarer Schock gewesen sein, denn die Gefangenschaft in einem Konzentrationslager stellte eine dramatische Veränderung des bisherigen Lebens dar. Umso erstaunlicher ist, dass Viktor Ullmann nur sechs Wochen bis zur Fertigstellung seiner ersten Komposition in Theresienstadt brauchte. Vermutlich half ihm das Komponieren wie ein psychischer Reflex ist, um seine unbeschreibliche Situation zu verarbeiten. Ähnliches kann während seiner Zeit im Ersten Weltkrieg beobachtet werden. Viktor Ullmann wurde durch Theresienstadt gefördert und nicht gehemmt. Er komponierte mitten im Winter ein Streichquartett, das den Titel „Gefühlskunst“ trägt.

 

Der Titel steht in extremen Gegensatz zu dem fast unerträglichen Leben während eines harten Winters. Bedenkt man, wie anstrengend es war, den harten Winter in Theresienstadt, ohne ausreichend Nahrung und ohne Kleidung nur zu überleben, so wird deutlich, wie außergewöhnlich hart dieses Überleben und die seelische Belastungen waren.

Viktor Ullmann prägte das Künstlerleben als Komponist, als Kritiker und als Leiter des Studios für Neue Musik.

 

„Theresienstadt war und ist für mich Schule der Form. Früher, wo man Wucht und Last des stofflichen Lebens nicht fühlte, weil der Komfort, diese Magie der Zivilisation, sie verdrängte, war es leicht, die schöne Form zuschaffen. Hier, wo man auch im täglichen Leben den Stoff durch die Form zu überwinden hat, wo alles Musische im vollen Gegensatz zur Umwelt steht, hier ist die wahre Meisterschule.

 

Viktor Ullmann gelang es in Theresienstadt seinen eigenen Kompositionsstil und -form zu finden.

Er endete seine Oper „Der Kaiser von Atlantis“ am 13.Januar 1944, in der er Macht und Vernichtung thematisierte. Der Kaiser erinnert an die alte k.u.k. Monarchie, durch seine getragene Uniform der k.u.k. Monarchie. Das Werk enthält Widerstandsmotive, wie zum Beispiel eine Selbstbehauptung gegen ein unterdrückendes Regime.

Seine letzte Klaviersonate, die gleichzeitig sein kraftvollstes Werk ist, beendet er im März 1944. Umso erstaunlicher ist dies, das es das letzte Jahr seines Lebens war.

Viktor Ullmann wurde am 16. Oktober 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo er am 18. Oktober in der Gaskammer ermordet wurde.

 

In Theresienstadt komponierte er insgesamt 23 Werke, darunter eine Oper, Klaviersonaten, Liederzyklen und einige Orchesterwerke, er schrieb Essays und 26 Rezensionen über das Künstlerleben in Theresienstadt.

Vergleicht man die Jahre vor und in Theresienstadt, fällt auf, dass Ullmann vor seiner Inhaftierung wenig komponierte und noch nach einem eigenen Musikstil suchte. Von vielen seiner damaligen Werke sind nur noch die Titel überliefert.

In Theresienstadt hingegen komponierte er zahlreiche Stücke, die zu seinen gelungensten Werken zählen. Dort fand er auch seinen eigenen Musikstil.

 

Seine Werke, die er in dem Ghetto komponierte, gab er vor seiner Deportation an den Bibliothekar Emil Utitz und an seinen Freund Hans Günther Adler. Dadurch wurden viele seiner Kompositionen gerettet, jedoch erfolgten Aufführungen und Uraufführungen erst Jahrzehnte später.