Friedhöfe während der NS-Zeit

Auf vielen jüdischen Friedhöfen kann man noch heute Spuren der NS-Zeit entdecken.

Viele Friedhöfe waren während der NS-Zeit systematisch zerstört worden. Andere Friedhöfe, die meist vorher von den jeweiligen Gemeinden zwangsverkauft oder enteignet wurden, sind danach abgeräumt , sowie ihre Grabsteine verkauft worden. Viele Grabsteine wurden von den Nazis geschreddert und zu Kies oder Klinkern verarbeitet. Nach dem Krieg stellte man die noch vorhandenen Grabsteine wieder auf, jedoch an einer anderen Stelle. Andere Friedhöfe wurden in unterschiedlichem Ausmaß geschändet, beschädigt und verwüstet. Solche Vorfälle gab es jedoch auch schon vor der NS-Zeit, und sie kommen leider bis heute immer wieder vor. Manche Friedhöfe wurden während des Krieges von Bomben getroffen und stark beschädigt, häufig zusehen sind auch Grabsteine mit Spuren von Geschosseinschlägen. Außerdem wurden die Friedhöfe von den Nazis als Archive genutzt, da die Gräber auf die Familiengeschichte zurückführen lassen und man damit Rückschlüsse auf Religion und Nationalität führen konnte. Das führte dazu, dass nicht alle Friedhöfe von den Nazis zerstört worden waren.

Die Zwangsnamen „SARA“ und „ISRAEL“
Seit dem 1. Januar 1939 mussten Juden die Zwangsnamen „Sara“ und „Israel“ annehmen. An einigen Orten war es vorgeschrieben, diese Zwangsnamen auch auf die Grabsteine zu schreiben. Diese Durchführungsverordnung wird als „der erste Versuch einer allgemeinen, äußerlichen Kennzeichnung der Juden“ bezeichnet.

Grabstein auf dem Salzburger Friedhof

Grabstein auf dem Salzburger Friedhof

Grabsteine für NS-Opfer
Manchmal finden sich, meist erst nach dem Krieg gesetzte, Grabsteine für Opfer der Shoa. Immer wieder wurden auch (nicht jüdische) Zwangsarbeiter auf unbelegten Flächen jüdischer Friedhöfe beigesetzt. Zum Beispiel gibt es auf dem Osternburger Friedhof ein Massengrab für 54 verhungerte Zwangsarbeiter, die nachts über die Mauer auf den Friedhof geworfen wurden.

Metallsammlung
Beinahe alle jüdischen Friedhöfe in Deutschland wurden während der Altmetallsammlungen während des Zweiten Weltkrieges sämtlicher metallener Gegenstände beraubt . Diese Sammlungen und letztliche Störung der Totenruhe wurden meistens von der Hitlerjugend durchgeführt.HJ bei der Altmetallsammlung

Teilweise beschriftete Doppelsteine
Auf Friedhöfen, auf denen es üblich gewesen war, Grabstellen für Ehepartner zu reservieren, sieht man häufig Doppelgrabsteine, die nur auf einer Seite beschriftet worden sind, da der überlebende Ehepartner auswandern musste oder deportiert wurde und seine letzte Ruhestätte nicht mehr neben seinem Ehepartner finden konnte.