Jüdische Friedhöfe

Aufbau:

Sobald man einen jüdischen Friedhof betritt, fällt dem Besucher meistens sofort auf, dass dieser sich von christlichen Friedhöfen unterscheiden. Dabei fängt es schon mit der Lage des jüdischen Friedhofes an. Während christliche Friedhöfe in den meisten Fällen oft direkt neben der Kirche liegen, liegen die jüdischen Gräber oft weit entfernt von deren Synagogen, außerhalb der Stadt, da sie als „unrein“ gelten und sich die Lebenden nicht mit den Toten an einem Ort aufhalten sollen. Die wichtige Bedeutung der Friedhöfe für die Juden machen auch die Bezeichnungen deutlich. Diese Ruhestätten gelten unter anderem als Haus der Ewigkeit (Bet ha-olam) oder Haus des Friedens (Bet Haschalom). Hinter diesen Begriffen steckt jedoch auch eine tiefere Bedeutung. Während christliche Gräber zeitlich begrenzt sind, sind die jüdischen Gräber für die Ewigkeit angelegt . Auch die Art der Gräber unterscheiden sich. Zum einen gibt es auf jüdischen Friedhöfen keine Gemeinschaftsgräber, zum anderen sind die Grabsteine stets nach Osten, also nach Jerusalem, ausgerichtet. Blumen und Sträucher findet der Besucher dort vergebens, da sie nicht die Vergänglichkeit widerspiegeln. Stattdessen sind die Gräber mit kleinen Steinen verziert, die die Besucher dort ablegen. Dieses geht auf eine alte Tradition der Nomaden zurück, die damit die Toten vor den Tieren schützen wollten.

Zum Begräbnis:

Im Judentum ist nur eine Erdbestattung vorgesehen, damit der Körper in den ursprünglichen Zustand zurückkehren kann und Eins mit der Erde werden kann. Dazu kommt, dass der Verstorbene innerhalb von 24 Stunden beerdigt werden sollte. Ausnahme hierbei sind allerdings der Sabbat und andere Festtagen. Der Leichnam wird zuerst gründlich mit Wasser rituell gereinigt und anschließend in ein weißes Gewand gehüllt. Zusätzlich trägt er weiße Schuhe und eine weiße Kopfbedeckung. Viele möchten in Israel begraben werden, da sie dort bei der Ankunft des erwarteten Messias zuerst von den Toten auferstehen würden. Wenn sie dort aber nicht liegen, legt man meistens unter ihnen ein Säckchen mit Erde aus Israel. Zudem werden dem Toten zum Teil auch Scherben auf die Augen gelegt. Die Teilnahme an der Beerdigung wird im Judentum als eine gute Tat angesehen. Es wird unter anderem eine Abschiedsrede gesprochen und anschließend das Grab mit Erde bedeckt. Ist das geschehen, wird das Kaddisch-Gebet von den Männern gesprochen. Außerdem reißen sich die Trauernden ein Stück Kleidung heraus, um ihr Mitgefühl auszudrücken. Am Ende der Zeremonie, wenn die Trauergemeinde den Friedhof verlassen hat, waschen sie ihre Hände, trocknen diese jedoch nicht ab, um den Toten in Erinnerung zu behalten. Nach der Beisetzung beginnt für die Familie des Toten die Trauerwoche. Das Lesen in der Thora, sowie das Baden, das Schminken oder der Geschlechtsverkehr sind in dieser Zeit verboten. Für die eventuell noch lebenden Eltern folgt danach das so genannte Trauerjahr. Nach dem ersten vergangenen Todesjahr wird eine Kerze für den Toten entzündet und am Kopf des Grabes einen Gedenkstein aufgestellt.

Geschichte

Da ein Großteil der Juden im Mittelalter in den Städten gewohnt hat, waren außerhalb der Städte auch die Friedhöfe angesiedelt. Doch mit der Vertreibung der Juden im Mittelalter wurden auch ihre Friedhöfe in Mitleidenschaft gezogen. Sie wurden beraubt, ihre Grabsteine wurden als Trophäen genutzt und geschändet. Es ist keine Seltenheit, dass oft noch alte Grabsteine eingemauert in Gebäuden zu finden sind. Selbst in Kirchen wurden jüdische Grabsteine verbaut. Dieses galt als ein symbolisches Zeichen für den Sieg der Kirche gegen die Synagogen. Auf Grund der Vertreibungen erloschen ganze jüdische Gemeinden und es dauerte sehr lange, bis diese wieder größer wurden. Die meisten Juden sind auf das Land gezogen, jedoch bekamen sie keine geeigneten Flächen für ihre Friedhöfe zugesprochen. Nicht nutzbare landwirtschaftliche Flächen, die weit abgelegen von den Gemeinden waren, sollten als Friedhofsgelände dienen. Die Lage besserte sich erst im 18. und 19. Jahrhundert. Dort entstanden kommunale Friedhöfe, die in den Städten lagen und eigene Abteilungen hatten.

 

Bedeutung der Innenschriften