Eindrücke vom jüdischen Friedhof Oldenburg

Im Rahmen unseres Projekts haben wir uns dazu entschlossen, den jüdischen Friedhof in Oldenburg – Osternburg zu besuchen. Er zählt zu den historischen Friedhöfen des Oldenburger Landes. Wir  organisierten eine Rundführung unter der Leitung von Frau Heger, die evangelische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich – Jüdische Zusammenarbeit Oldenburg ist, um nicht nur persönlich Eindrücke des Besuchs zu erhalten.

Wir wurden sehr freundlich empfangen, und noch bevor wir den Friedhof betraten, fiel uns etwas auf. Das Tor zum Friedhof war mit zwölf Kreisen verziert. Diese stehen im Judentum für die zwölf Stämme Israels.

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Als wir den Friedhof betraten, bemerkten wir erneut etwas. Neben dem Eingangstor stand ein kleiner Brunnen, denn es ist brauch nach jedem Besuch eines jüdischen Friedhofs sich die Hände zu waschen. Dies ist eine Geste der Reinheit.

Frau Heger erzählte uns, dass der Friedhof bereits 1814 gegründet wurde. Während der Rundführung über den Friedhof fiel uns auf, dass sich einige der Gräber stark voneinander unterschieden. So gab es Grabsteine aus Sandstein und große, beinahe Denkmal ähnliche aus Marmor. Frau Heger erklärte uns, dass das Aussehen der Grabsteine vom sozialen Status des Begrabenen abhängig sei. Auf einigen Grabsteinen sahen wir kleine Steine liegen, welche die Ewigkeit symbolisieren sollen. Sie werden von den Besuchern zum Andenken auf die Gräber gelegt. cimg0703-1Uns erschien alles etwas trostlos, was nicht unbedingt am Wetter lag, sondern auch daran, dass die Gräber kaum geschmückt waren. Wir sahen keine bunten Blumen oder Kränze, lediglich Gras und selten ein paar andere Pflanzen an den Gräbern. Natürlich ist ein Friedhof ein Ort zum Trauern und sich von Geliebten zu verabschieden, aber wir spürten deutliche Unterschiede zwischen diesem Besuch und dem eines christlichen Friedhofs.

Im Jahr 1921 wurde die Trauerhalle errichtet, die bis heute noch besteht. Wir wurden in die Trauerhalle hineingeführt und sahen uns dort um. Vorne stand eine kleines Pult, davor mehrere Reihen Stühle. Von der Decke hing ein Kronleuchter.

In der Trauerhalle erkundigten wir uns über etwas, was wir bereits vorher gelesen hatten: nämlich, dass es bereits in den vorherigen Jahren vermehrt zu Vandalismus gekommen war. Es wurden Steine mit Farbe beschmiert und sogar Grabsteine umgestoßen. Wir fragten, wer so etwas Respektloses machen könnte. Frau Heger erzählte uns, dass es meistens rechtsradikale motivierte Menschen sind, die Nazi-Parolen an die Grabsteine malen. Wir fragten, wie dagegen vorgegangen werde und sie sagte, dass es eine Aktion von einigen Bewohnern Oldenburgs gab. Sie stellten sich um den gesamten Friedhof und umschlossen ihn so symbolisch schützend. Sie erzählte uns auch, dass es sie freute, dass so viele Leute freiwillig an dieser Aktion mitgemacht hatten.

Wie kann man nur dazu fähig sein, einem Ort der Trauer so respektlos entgegenzutreten? Ein Friedhof ist schließlich ein Ort des Gedenkens und der Ruhe, und das sollte respektiert werden.

Als wir unseren Besuch beendeten, wurden wir auf eine weitere Sache aufmerksam. Wir liefen an einer Bank vorbei. Sie wurde zu Ehren Leo Trepps dort platziert. Er war einer der wenigen Rabbiner, der bereits während der NS-Zeit tätig war. Er verstarb im Jahre 2010 im Alter von 97 Jahren. Seine Frau gründete daraufhin die Leo-Trepp-Stiftung, die unter anderem die Erhaltung des Friedhofs unterstützte. Ein paar Meter weiter lag außerdem ein Massengrab von 54 verstorbenen russischen Zwangsarbeitern aus dem zweiten Weltkrieg, denn, so begründete es Frau Heger, auch sie waren verfolgt worden, also wurden sie ebenfalls hier begraben.

cimg0741-2Der Besuch eines jüdischen Friedhofs bringt ein anderes Gefühl mit sich, als der Besuch eines christlichen. Auch wenn der jüdische Friedhof in Oldenburg auf Uns auf Grund seiner bewusst fehlenden Blumengestaltung und steinigen Gedenkpraxis eher trostlos wirkte, wussten wir letztlich diesen Ort als Erinnerungsstätte zum Trauern und zum Abschied nehmen zu begreifen.