Bewegendes

Eichelbaum-DieRosen
Die Rosen
Ihr schwimmt im Wasser des Schwedtsees
Kein Ton erklingt – kein Schrei ertönt
Ihr werdet getragen von der Stummheit der Wogen,
von der Starrheit des Augenblicks – von den Tränen der Toten.
Die Asche ummantelt das Unsagbare – das Undenkbare –
das was geschah.
Versunken im See der Tränen – stellen wir die Frage nach dem Warum?
Immer wieder – mal leise – mal laut.
Aber immer: Jetzt!

(Robert Eichelbaum)

 


gedicht-eichelbaum-bedecktBedeckt
Das Gerüst versperrt dem Betrachter die Sicht –
Er erahnt die Kraft, die sich hinter dem Vorhang verbirgt.
Schimmert sie schüchtern hinter der Leinwand hervor?
Oder zerreißt sie mit ihrer Entschlossenheit das Korsett, welches man um sie gelegt?
Wer wollte ihren Tatendrang bloß bändigen?
Wenn sich der Herbst auf den Ort des Terrors legt – soll sie ihren Winterschlaf halten –
soll ihr der Blick auf die Mitwisser und Mittäter verwehrt bleiben.
Ruhe dich aus, du Leidtragende – du Mahnende am Ufer des Sees –
die du uns seit Jahrzehnten entschlossen den Geist des Mutes entgegenträgst.

(Robert Eichelbaum)

 

 


gedicht-eichelbaum-trauer2

                                              Trauer ll

Wie die unendliche Trauer ertragen Gestirne aus
Steinen und Feuer

Such ein Fünkchen Glanz
in der Finsternis

Atemnackt dein Weilchen
HIER

(Rose Ausländer)


gedicht-eichelbaum-stilleStille
Wolkenbehangen scheint sich der Himmel auf des Gelände zu drücken.
Die Luft steht still – die Hölle ruht.
Umrisse deuten das Grauen an
Schatten vergraben sich in den Boden.
Bäume, die erzählen könnten – schweigen.
Wolkenbehangen scheint sich der Himmel auf das Gelände zu legen.

(Robert Eichelbaum)

 


gedicht-eichelbaum-vergilbt

Vergilbt
Der Witterung ausgesetzt scheint die Gefahr gebannt,
scheint sich das Diabolische dem Vergänglichen hinzugeben.
Sich farblich an den Herbst anpassend,
dreht sich der Draht um das Gewissen der Nation –
dreht sich der Draht in die Wunden der Überlebenden.
Entsorgt sich das Grauen allein?
Kompostiert sich die Geschichte autark?
Der Draht scheint in die Gegenwart hinein zu wuchern –
stetig bohrt er sich in das Fleisch der Menschlichkeit.

(Robert Eichelbaum)


gedicht-eichelbaum-gleis

Gleise
Stille umgibt die endlosen Gleise –
Totenstille
Die Gleise pochen nur noch gedämpft.
Die Seelen der Toten wandeln durch das Gehölz.
Sie geben keine Ruhe – ihre Schreie ertönen
Mal leise – mal laut – Stille.
Soll die Leere etwas verschweigen?
Darf die Stille ertönen – ohne ein Wort von Gerechtigkeit?

(Robert Eichelbaum)

 

 


gedicht-eichelbaum-silhouetten

Silhouetten
Schatten – Umrisse – Spuren, die die Zeit umklammern.
Hauchzart durchstreifen die Körper den Wald der Schande –
Durchqueren sie den Ort des Mordens.

Stumm – ergriffen – ratlos, irren Silhouetten durch den Wald,
klammern sich die Gedanken an die Fährten des Gewissens.
Die Spuren liegen in der Luft, sie schwingen auf den Wogen des Verbrechens.

(Robert Eichelbaum)


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Abgerissen
Bretter, die zusammenfallen – scheinen das Erinnern zu verhindern.
Leere, die den Ort umrahmt – greift um sich.
Schweigen die Stimmen der Mahnenden?
Schweigen die Stimmen der Opfer?
NEIN!

(Robert Eichelbaum)


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gedicht-eichelbaum-im-dunkeln-2

Im Dunkeln
Ein Schatten – ein Umriss – nur eine vage Andeutung von Leben.
Die Leere weitet den Blick – legt die Szenerie frei –
Lässt der Trauer den nötigen Raum.

(Robert Eichelbaum)

 


Stumme Windspiele.
Unvergessen die Stimmen
erzählen Geschichten
Grüne Hoffnung sprießt.
Mantelt leidendes Hungern
in Zukunftsleben.

 

(Isabel Mallqui Chacon)

Fotograf: Robert Eichelbaum