Täter/innen

Für die Leitung des Konzentrationslagers Ravensbrück als Lagerkommandanten waren die SS-Mitglieder Günther Tamaschke, Max Koegel und Fritz Suhren zuständig. Sie unterstanden dem Reichsführer – SS und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler, welcher die uneingeschränkte Macht über die Konzentrationslager besaß.

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Günther Tamaschke (1896 – 1959)

Tamaschke meldete sich 1914 als Kriegsfreiwilliger im Deutschen Heer und geriet in französische Kriegsgefangenschaft. Er kam erst im März 1920 wieder nach Berlin und beteiligte sich am Kapp-Putsch. Sein Beitritt zur NSDAP und zur SS erfolgte 1926. Während er als Lagerdirektor des neu eingerichteten Frauenkonzentrationslagers Lichtenburg eingesetzt wurde, war er am Aufbau des Konzentrationslagers Ravensbrück beteiligt. Nach der Auflösung des Konzentrationslagers Lichtenburg wechselte Tamaschke als Lagerdirektor 1939 in das neu errichtete KZ Ravensbrück. Aufgrund eines Problems in seinem Privatleben, welches selbst bei Heinrich Himmler bekannt wurde, wurde er von seinen Aufgaben als Lagerdirektor entbunden und aus der SS entlassen.
Später bekam er seinen Posten bei der SS zurück.
Günther Tamaschke starb am 14. Oktober 1959.

 

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Max Koegel (1895 – 1946)

Max Koegel war bereits vor seinem Amt Mitglied beim nationalistischen „völkischen Blog“ und „Bund Oberland“, zwei Organisationen ehemaliger Soldaten, die am Hitler Putsch beteiligt waren. 1932 trat er der NSDAP bei und wechselte etwas später von der SA zur SS.
Im Januar 1940 wurde er, nachdem er sich hochgearbeitet hatte, zum Lagerkommandanten von Ravensbrück ernannt.
„[…] Koegel nahm die geringste Sache als schweres Vergehen. So zum Beispiel durfte niemand auf den Rasen treten, der kam unweigerlich in Dunkelarrest.“ (Wilhelmine Artner, undatiert)
Koegel wurde später von der US-Armee gefangen genommen und begann im Gefängnis Suizid, indem er sich erhang.

 

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Fritz Suhren (1908 – 1950)

Im Jahr 1928 trat er der SA bei und wurde Mitglied in der NSDAP, später wechselte er zur SS.
1941 wurde Suhren offiziell im Konzentrationslager Sachsenhausen eingesetzt, nur ein Jahr später wurde er zum Lagerkommandanten von Ravensbrück ernannt.
„Suhren hatte die Taktik, dass er niemals persönlich etwas tat, sondern immer anderen zu handeln befahl. […] Die Gefangenen […] sahen nur das Ergebnis. Frauen verschwanden und waren nicht mehr am Leben. Es ist ohne Zweifel wahr, daß in der Zeit, als Suhren Lagerkommandant war Versuchsoperationen, Erschießungen, Vergasungen und überhaupt alle diese gröbsten Verbrechen vorkamen.“ (Zofia Sokutska, Zeugenvernehmung vom 4.November 1949)

Suhren und andere SS-Angehörige wurden 1945 von den Alliierten gefangen genommen. Sie wurden von Engländern inhaftiert und in ein Internierungslager gebracht. Bevor Suhren allerdings vor Gericht gestellt werden konnte, flüchtete er und tauchte in Bayern unter. Später konnte er jedoch wieder gefasst werden und ein Militärgericht verurteilte ihn 1950 zum Tode.

 

Die Lagerkommandanten, oft auch als Lagerdirektoren bezeichnet, hatten die Strafgewalt über alle Häftlinge, sowie die Disziplinargewalt über das KZ – Personal und die Macht über den Außenbereich des Lagers und das Jugendkonzentrationslager Uckermark.
Der Kommandant sorgte dafür, dass regelmäßige Inspektionen stattfanden, das das SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt umgesetzt wurde und er für die Überwachung des ganzen Komplexes zuständig war. Dem Lagerkommandanten war ein Adjutant zugeordnet, der für die genaue Ausführung der Kommandanturbefehle verantwortlich war.

Das SS-Gefolge in den Konzentrationslagern

In Ravensbrück setzte man fast nur weibliches Personal als Wärterinnen oder Aufseherinnen ein. Zwischen 1939 und 1945 wurden mehr als 3500 Aufseherinnen im KZ ausgebildet. Frauen aus allen Bevölkerungsschichten meldeten sich für die Arbeit.
Die Einstellungsvoraussetzungen, die man erfüllen musste, waren zum einen körperliche Gesundheit, ein Mindestalter von 25 Jahren, maximal 45 Jahre, man durfte keine Vorstrafen haben und eine politische Zuverlässigkeit.
SS – Aufseherinnen galten nicht als Mitglieder der SS, sie waren lediglich angehörige des SS – Gefolges und wurden offiziell als „weibliche Hilfskräfte geführt“, damit wollte man das Bild eines Männerordens aufrecht erhalten. Die Aufseherinnen waren dazu da, den Innenbetrieb des Lagers zu organisieren, aber auch das Geschehen außerhalb der Lagermauern zu überwachen, die Aufgaben und Funktionen entsprachen also denen des männlichen Lagerpersonals.
Wie auch bei den Männern gab es eine Hierarchie, und die Möglichkeit aufzusteigen, beziehungsweise spezielle Aufgaben zu übernehmen und eine höhere Besoldung zu bekommen.
Die höchste Position, die eine Aufseherin im SS-Gefolge erreichen konnte, war die der Oberaufseherin. Sie war Angehörige des ansonsten männlichen Kommandanturpersonals und sollte ihnen „in allen weiblichen Angelegenheiten zu Seite“ stehen. Ihr allein oblag die organisatorische und praktische Führung des gesamten weiblichen SS-Personals in einem Konzentrationslager. Sie musste bei allen Angelegenheiten, die die weiblichen Häftlinge betrafen, unterrichtet und angehört werden. Das ihr unterstellte weibliche Lagerpersonal wandte sich über Fehlverhalten von weiblichen Häftlingen an die Oberaufseherin und diese entschied dann, welche Strafmaßnahmen der inhaftierten Frau zukamen. Nur in besonderen Fällen wurde der Lagerkommandant in diesen Prozess mit einbezogen und dieser entschied dann über die Strafzumessung. Die Oberaufseherinnen, die sich in Ravensbrück bewährt hatten, wurden meistens nach Auschwitz oder Majdanek versetzt. Die Blockführerinnen, von der Oberaufseherin aus den Aufseherinnen ausgewählt, waren innerhalb des Lagers zuständig und hatten die Appelle abzuhalten, die Einteilung von Arbeitsgruppen und die Auswahl von Blockleiterinnen vorzunehmen. Die Aufseherinnen bildeten das letzte Glied in der SS-Befehlskette. Sie wurden von der Oberaufseherin den Arbeitskolonnen zugeteilt und bekamen dann ihren Aufgabenbereich von der Blockleiterin zugewiesen.
Zu diesem Personenkreis in Ravensbrück zählten unter anderem:

bild4_dorothea_binzDorothea Binz (1920 – 1947)
Oberaufseherin im KZ Ravensbrück

1939 bewarb sie sich im KZ Ravensbrück und wurde als Aufseherin eingestellt, sie arbeitete sich während ihrer Zeit in Ravensbrück zur Oberaufseherin hoch.
Dorothea Binz galt als eine der brutalsten, so schlug sie Frauen, die beim Appell nicht stramm standen, ins Gesicht bis sie aus Mund und Nase bluteten oder malträtierte sie mit den Stiefelabsätzen.
1945 wurde sie vom US-amerikanischen Militär verhaftet im ersten britischen Ravensbrück-Prozess in Hamburg  verurteilt, das Urteil lautete: „Tod durch den Strang“. Binz versuchte sich in Folge dessen selbst zu töten, was jedoch verhindert werden konnte. Dorothea Binz wurde am 2. Mai 1947 morgens hingerichtet.

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Hermine Braunsteiner-Ryan (1919 – 1999)
Aufseherin im KZ Ravensbrück

Sie trat ihren Dienst im KZ Ravensbrück 1939 an und wurde dort zur Aufseherin ausgebildet.
1942 wurde Braunsteiner in das KZ Majdanek in das besetzte Polen versetzt, während ihrer Zeit dort galt sie als die grausamste und brutalste Aufseherin und wurde von ihnen „Kobyla“ („die Stute“) genannt. Sie war bekannt geworden durch ihre grausame Behandlung von Kindern.
1981 wurde sie im Majdanek-Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt und 1996 begnadigt.

Medizinische Abteilung

Für die medizinische Versorgung war der SS – Standortarzt zuständig. Ihm unterstanden die SS – Lagerärzte, die SS–Zahnärzte und die dortigen Schwestern. Mit der Zeit stieg die Anzahl an Häftlingen immer weiter an, was dazu führte, dass Häftlinge mit ärztlicher Ausbildung ab 1943 ebenfalls als Schwestern oder Ärzte eingesetzt wurden. Die Tätigkeiten der Ärzte bestanden in der Betreuung der Wachmannschaften, sowie in der Versorgung und Aufsicht der Häftlinge, jedoch waren die bereitgestellten Mittel zur Versorgung unzureichend. Deshalb waren die Hauptanliegen vieler Ärzte die Ausbreitung von Krankheiten zu vermeiden und in der schnellen Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit der Erkrankten.
Das sogenannte Krankenrevier in Ravensbrück bildete auch ein Ort des Tötens und medizinischer Experimente. Denn 1942 wurden in Ravensbrück Menschenversuche durchgeführt. Erforscht wurden dabei sogenannte Methoden zur Versorgung von kriegsverwundeten Soldaten, denn neben den Behandlungsmethoden wurden vor allem auch Transplantationstechniken erforscht. Durchgeführt wurden diese in einem abgetrennten Bereich des Krankenreviers in aktiver Mithilfe des Lagerarztes.

Weitere ärztliche Maßnahmen waren zum Beispiel:

Zwangsabtreibungen

Im Konzentrationslager war es strikt verboten, Frauen bei denen man den Verdacht auf Schwangerschaft äußerte, einzuweisen. Dennoch wurden Frauen eingeliefert, bei welchen man nicht erkannte, dass sie bald ein Kind gebären würden. In den Anfangszeiten transportierte man diese Frauen, sobald es soweit war, in das nahe gelegene Krankenhaus Templin.
Das KZ Ravensbrück führte darauf hin sowohl einen Geburtsraum als auch einen Mutter–Kind– Block ein, jedoch überlebte kaum ein Säugling. In den darauf folgenden Jahren häuften sich Berichte über Zwangsabtreibungen. Man spricht von mindestens 50 Abtreibungen, die durchgeführt worden sind. Hauptsächlich bei Frauen, die ein Kind von “fremdvölkischen“ Männern erwarteten. Dabei wurden Abtreibungen bis in den 8. Monat hinein noch betrieben.

Zwangssterilisation

Das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“, welches 1934 durchgesetzt wurde, erlaubte im Konzentrationslager die Zwangssterilisation. Damit sollten Frauen sterilisiert werden, die als „erbkrank“, „schwachsinnig“ oder „behindert“ galten. Hierfür wurden extra Allgemeintests durchgeführt, welche Fragen beinhalteten wie: „Wie viel Tage hat der Monat?“, „Wie viel Stunden hat der Tag?“ oder auch Mathematikaufgaben wurden dort gestellt. Ist man bei diesem Test durchgefallen, galt man als „schwachsinnig“ und es wurde ein Antrag auf Sterilisation gestellt.
Besonders Sinti und Roma waren davon betroffen. Ab 1944 hat man die „Zigeuner“ diese Anträge selbst unterschreiben lassen, da es so eine persönliche Zusage war. Geködert wurden diese Menschen mit dem Versprechen, dass ihr Aufenthalt dadurch gekürzt werden würde, jedoch war dies nur eine Finte und diente lediglich als Umgehung des Auswahlverfahrens.

Mord durch Injektionen

Aufgrund der radikalen Unterernährung, dem Mangel an Medikamenten und der Wunden, die den Häftlingen zugefügt worden waren, wurden viele Häftlinge schnell krank. Schwerkranke Häftlinge, darunter auch psychisch kranke Menschen, wurden absichtlich Gift und zu hohe Dosierungen an Medikamenten verabreicht.
Es wurden Medikamente wie zum Beispiel das Schlafmittel „Luminal“ und das Narkotikum „Evipan – Natrium“ verabreicht.

Lebens- und Arbeitsbedingungen

Die Angaben zu den Lebens- und Arbeitsbedingungen sind eher spärlich.
Nachdem die Frauen die zumeist kurze Ausbildung, welche aus praktischen und theoretischen Grundlagen im Zusammenhang mit der Lager- und Häftlingsführung besteht, absolviert hat, gab es eine Probezeit, bis sie offiziell Aufseherinnen wurden. Meistens wurden sie dann Konzentrations- und Außenlagern zugeteilt, wo sie oft wechselnde Einsatztätigkeiten zu verrichten hatten.
Die Frauen wurden in SS – Siedlungen untergebracht. In den Anfangsjahren des KZ Ravensbrück mussten sie teilweise in den für die Häftlinge vorgesehen Baracken schlafen, da die Häuser noch nicht fertig waren. Die SS–Führer lebten mit ihren Familien in ihren eigenen Häusern, so zum Beispiel auch Suhren und Koegel. Später wurde für die Kinder der SS–Führer extra ein Kindergarten eingerichtet.
Die Aufseherinnen waren jedoch auch disziplinarischen Vorschriften unterworfen.
Ab 1940 wurden für die Aufseherinnen Uniformen eingeführt, welche ihnen unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurden, die aus einem grauen Kostüm, einer weißen Bluse und einem Hut bestand. Neben der Uniform umfasste die Ausstattung Lederstiefel, Schlagstöcke und teilweise auch Peitschen oder Schusswaffen. Es war ihnen verboten, mit dieser Kleidung das Lager zu verlassen, weshalb den Frauen später extra Ausgehkleidung gegeben wurde.
Die Verbrüderung mit Häftlingen, beziehungsweise die privaten Gespräche mit Häftlingen, waren strikt untersagt und wurden mit Arrest, Versetzungen und letztlich auch mit Entlassung aus dem Lagerdienst geahndet.
Die willkürlichen Misshandlungen und auch Schikanen an Häftlingen durch die Aufseherinnen wurden vergleichsweise milde, wenn überhaupt, bestraft. Auch wenn probiert wurde mit Disziplinarordnungen gegen diese Willkür vorzugehen, sie sahen nur bei Regelverstößen seitens der Häftlinge berechtigte Strafen vor, standen Misshandlungen der Häftlinge an der Tagesordnung.
Gegenüber den Ranghöheren herrschte eine Grußpflicht
Entlohnt wurden die Aufseherinnen als Reichsangestellte nach der Tarifordnung des öffentlichen Dienstes. Das waren um die 105 RM pro Monat, im Vergleich dazu, ein Frau in der Textilverarbeitung verdiente um die 76 RM pro Monat.


Ravensbrück – Prozesse

Die juristische Verfolgung von Verbrechern in Konzentrationslagern wurde nicht zuletzt durch die Ahndung von nationalsozialistischen Verbrechen durch die Alliierten in Gang gesetzt.
Ehemalige Häftlinge regten weitere Strafverfahren gegen ihre ehemaligen Peiniger an.
Die Ravensbrück-Prozesse umfassen eine Reihe von Gerichtsverfahren, welche von den Franzosen, den Briten und der Sowjetunion gleitet wurden.
Ab 1945 durften eigene Volksgerichte ebenfalls Verhandlungen durchführen.

Nur wenige Täter des Konzentrationslagers Ravensbrück und des Außenlagers Uckermark wurden gefasst und vor Gericht gestellt. Von den 4550 Tätern wurden nur 114 gefasst und verurteilt .Und von denen, die verurteilt wurden, kamen in der Bundesrepublik viele nach kurzer Zeit wieder frei. Eine KZ–Ärztin, die gefasst wurde, war Herta Oberheuser, welche aussagte, dass sie angeblich nicht wusste was im KZ Ravensbrück vor sich ging und erst im Gerichtssaal davon erfuhr. Sowohl in der DDR, als auch nach der Wiedervereinigung wurden Verfahren aufgenommen, in den wenigsten Fällen wurden Anklagen erhoben.


Fotografin: Vivian Eberhardt

Quellen:

Quellen für die Informationen und Bilder (abfotografiert)

– Ravensbrück ehemaliges Kommandantenhaus, Ausstellungsraum 5

– Ausstellung im Führerhaus

– Strebel, Bernhard: Das KZ Ravensbrück – Geschichte eines Lagerkomplexes. Schöningh Paderborn, 2003.

Bildquelle Günther Tamaschke

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Bildquelle Dorothea Binz

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Bildquelle Hermine Braunsteiner Ryan

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