Umgebungsgesellschaft

Nachbarschaft des Konzentrationslagers Ravensbrück

von Taytes Bischof und Andrej Adam

Vor ab ist zu sagen, dass es ziemlich schwer ist, sich aus den vorhandenen Quellen, welche nur aus Zeitzeugenberichten stammen, dadurch mussten wir zahlreiche Interviews auswerten, Informationen zu bekommen. Diese wurden zum größten Teil aus Annette Leos Buch ,,Das ist’n zweischneidiges Schwert hier unser KZ …“, gewonnen.

Im Folgenden werden wir einen allgemeinen Überblick über das KZ – Ravensbrück geben und näher auf die Stadt Fürstenberg sowie die Rolle der Fürstenberger Bevölkerung eingehen.

Das KZ – Ravensbrück wurde errichtet, um die immer weiter ansteigenden weiblichen Häftlinge im Dritten Reich unterzubringen. Das Lager war eigentlich für eine Zahl von 1.500 Gefangenen ausgelegt, jedoch wurde diese Zahl bereits zwei Monate nach der Eröffnung des Lagers um das Doppelte überschritten.

Diese waren in 12 Baracken untergebracht, allerdings wurde das Lager auf 32 erweitert und es sind insgesamt 132.000 Frauen in 6 Jahren gewesen, die hier leben und überleben mussten. Laut Schätzungen sind ungefähr 28.000 Menschen gestorben.

Angesichts dieser Zahlen wird deutlich, dass das KZ – Ravensbrück nicht „übersehen“ werden konnte und die Bevölkerung, welche in unmittelbarer Nähe wohnte, wusste definitiv, was dort vor sich ging.

Fürstenberger Unternehmen und Firmen konnten an das Lager einen Antrag stellen, in dem sie nach Arbeitskräften fragten, meist wurden diese Anträge bewilligt und binnen weniger Tage standen die Zwangsarbeiterinnen zur Verfügung.

Ein Unternehmer aus der Umgebung, Hermann Ahlgrimm, baute die Unterkünfte für die Wärterinnen im KZ, diese wurden ihm zunächst als „Schwesternhäuser“ präsentiert. Jedoch merkte Ahlgrimm schnell was dort vor sich ging, denn parallel wurden Baracken für die Zwangsarbeiter gebaut, welche ihm selbst beim Aufbau der Unterkünfte halfen.

Hermann Ahlgrimm wollte aufhören, doch der Druck der SS, sowie der allgemeine Zustand in dem sich die Gesellschaft und die Familie selbst befanden, ließen ein „Aussteigen“ nicht zu. So baute Ahlgrimm die Häuser und zog sich weitestgehend vom Lager zurück und kümmerte sich im Nachhinein um eine Handvoll Häftlinge, die er vor dem Todesmarsch retten konnte.

Das Krematorium auf dem Gelände war nach seiner Erbauung Tag und Nacht in Betrieb. Der Geruch von verbrannten Leichen zog über die Stadt und man beschwichtigte Kinder mit der Aussage, es sei eine Bäckerei dort am anderen Ufer des Sees. Ebenso tragisch war die Ankunft der Häftlinge in Fürstenberg, die Tür des Wagons ging auf und die wütenden Hunde bellten alles nieder, dann durch die Stadt und die Fürstenberger haben den Häftlingen einen Empfang geboten der seines gleichen sucht: Kinder bespuckten, verprügelten und bewarfen die Häftlinge mit Steinen und Stöcken. Die Deportation der Häftlinge schien bizarrer und abartiger Weise ein Spaß für die ganze Familie gewesen zu sein.

Der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt lässt sich nicht leugnen Fürstenberg an der Havel profitierte maßgeblich von dem KZ, auf der einen Seite, die Häftlinge die in der Stadt arbeiteten und jeden Tag durch die Stadt geprügelt wurden, auf der anderen Seite die Fürstenberger, die für die SS Lebensmittel und andere Gebrauchsgegenstände, wie Kohle, lieferten.

Abschließend stellt sich uns allen die Fragen: Warum hat man nicht geholfen und was wussten die Fürstenberger/die Deutschen wirklich über ihre Konzentrationslager?

Nach der Befreiung im Jahr 1945 mussten Fürstenberger das KZ säubern und sich um die Häftlinge kümmern, die Rote Armee vergab Essensmarken an alle die im Lager aufräumten, ansonsten gab es nichts zu Essen.

Infolgedessen wurde die Bevölkerung über die Taten der SS aufgeklärt und man zielte darauf ab, so etwas wie Ravensbrück nicht nochmal passieren zu lassen.

Aber eines lege ich euch Fürstenberger Müttern ans Herz: achtet gerade ihr darauf, daß ihr eure Kinder zu Menschen erzieht …“ (Gertrud Rebenstorff)

Quelle:

Hauptausstellung auf dem Gelände der Gedenkstätte Ravensbrück