Baracken. Platz. Und Musikanten.

Tango des Todes (Larissa und Lew Dmitriew*, übersetzt aus dem Russischen ins Deutsche von Dmitry Erokhin)

Baracken. Platz. Und Musikanten.
Janowski Lager. Menschentod.
Mit Sang und Klang befahlen Okkupanten
Zu schießen. Wie lustiger das war!

Die Geigen heulen über dem grauen Platz,
In den Baracken warten Menschen und erstarren.
Da wieder die Erschießung! Zerreißt die Seele „Tango“.
Oh, „Tango“, „Todestango“!

Die Gnade gibt es nicht.
Zwei Jahre — zweihundert Tausend Opfer.
„Der Todestango“ begleitet die Erschießung.
Das Los, das gramvolle
Erwartet Musikanten,
Die nach dem Pulver riechen.

Die Geigen heulen über dem grauen Platz,
In den Baracken warten Menschen und erstarren.
Da wieder die Erschießung! Zerreißt die Seele „Tango“.
Oh, „Tango“, „Todestango“!

Die Gnade gibt es nicht.
Es blieben vierzig Orchestranten,
Sie spielen „Tango“ und die Stunden schlagen!
Das laute Gelächter der Besatzer,
Sie fallen ausgezogen auf das Eis.

Die Geigen heulen nicht…
Man schlug und quetschte die Faschisten,
Doch auf der Erde lebt Faschismus weiter.
Und irgendwo schießt’s wieder, wie … geschossen
Das Blut des Menschen fließt und fließt …

Über der ganzen Erde heulen Geigen.
Die Menschen sterben unter Sternenhimmel…
Da wieder die Erschießung! Zerreißt die Seele „Tango“.
Oh, „Tango“, „Todestango“!
Man wird dich nicht vergessen!

* Dmitriewa Larissa Iwanowna (geboren 11.04.1933, gestorben 04.02.2011) und Dmitriew Lew Aleksejewitsch (geboren  26.11.1937) sind Autoren vieler Gedichte und Lieder. Als der künftige Volkskünstler der UdSSR Kobson 1982 die Wörter des „Tango des Todes“ gelesen hat, hat er gesagt, dass es nicht möglich sei, ihn im Konzert zu singen – die Menschen werden solche Erschütterung einfach nicht ertragen…