Lagerorchester

Fast in jedem Lager (und davor Getto) haben die Deutschen Orchester aus der Zahl der Häftlinge, darunter einige der besten Musiker Europas, berühmte Komponisten und Dirigenten, gebildet. Das Lagerorchester war noch ein Zeugnis des Zynismus und der Absurdität der Situation, die für alle Konzentrationslager charakteristisch war (dort gab es zum Beispiel biologische Ecken, Zoos, Kinos, Büffets, Kasino, Schwimmbäder, Bordell in der Mitte von Auschwitz).

Häftlingsorchester des KZ Mauthausen spielt vor einer Hinrichtung

Häftlingsorchester des KZ Mauthausen spielt vor einer Hinrichtung, Bundesarchiv Bild 192-249

Das Orchester spielte hauptsächlich bei dem Morgen- und Abend-Appell, bei der Arbeitsaufnahme durch Arbeiterabteilungen und bei ihrer Rückkehr ins Lager, während der öffentlichen Hinrichtungen und bei den Abendveranstaltungen, die für die Deutschen organisiert wurden. Die Orchestermusiker spielten aus Zwang; niemand von ihnen wollte neben den Krematorien und Schafotten spielen, wo die Musiker selbst beim Anblick der Qualen der unglücklichen Häftlinge schwer litten. Aber auch die Musiker selbst erwartete dasselbe Schicksal, wie das ihrer Leidensgenossen, die ihrem Spiel zuhörten: Schließlich wurden sie vernichtet wie alle anderen auch.

Manchmal diente die Musik den Deutschen zum Mittel der Vertuschung der Massentotschläge. Eindrucksvolles Beispiel davon war „der Feiertag der Ernte“ oder „der blutige Mittwoch“ in Majdanek.

Krematorium des Konzentrationslagers Majdanek

Krematorium des Konzentrationslagers Majdanek

Am 3. November 1943 wurden zu lauter Musik, die aus allen Sprachrohren tönte, an einem Tag 18 400 Juden getötet. Die Musik wurde verwendet, um die Schießerei zu übertönen und einen möglichen Aufstand der nicht-jüdischen Häftlinge, die sich zu dieser Zeit im Lager befanden, zu verhindern sowie die Versuche der Flucht zu unterbinden.