Playing for Time

Der Film „Playing for Time“ ist der surrealistischen Seite der Geschichte des Hitlerreiches – der Schaffung des Orchesters im weiblichen Teil des Konzentrationslagers Auschwitz – gewidmet. Dem Drehbuch zugrunde liegen die Erinnerungen von Fania Fénelon (1922 – 1983). „Halbjüdin“ Fania Goldstein-Fénelon wurde in Frankreich geboren und ist dort aufgewachsen. Sie bekam musikalische Bildung und wurde Sängerin. Die Handlung des Films beginnt mit dem Moment ihrer Deportation ins Konzentrationslager Auschwitz.

Poster des Films "Playing for time"

Poster des Films „Playing for time“ von Mann

Nachdem man den Häftlingen alle Sachen weggenommen, die Haare kurz geschnitten und in die Baracke gebracht hat, tritt die Älteste (Kapo) ein. Sie fragt, ob es Künstler oder Musiker unter den Häftlingen gebe. Fania tritt freiwillig hervor, wonach man sie zur Frau führt, die die Auswahl der Musiker ins weibliche Lagerorchester durchführt. So erfährt Fania über die Existenz des einzigen musikalischen Kollektivs im System der Vernichtungslager. Es wurde von einer Jüdin, der Nichte des großen Gustav Mahler, der prächtigen Geigerin, der bekannten Dirigentin Alma Rosé (1882 – 1944) geleitet. Rosé befand sich seit August 1943 in Auschwitz und hat es geschafft, ein hochqualifiziertes Kollektiv aus dem Nichts aufzubauen.

Fénelon hat für sie das Fragment aus „Cio-Cio-San“ aufgeführt und war dorthin überführt, wo alle Orchestermitglieder zusammenlebten, Jüdinnen und Nicht-Jüdinnen. Im Film wird das Alltagsleben der Musiker dargestellt, die eine separate Baracke hatten. Sie wurden besser ernährt und nicht zu schweren Arbeiten getrieben. Stattdessen übten sie täglich bis zu 8 Stunden, spielten den Häftlingen, die auf die Arbeit gingen und zurückkamen und konzertierten für die Wachleute des Lagers.

"Rückkehr von der Arbeit' - Zeichnung von Mieczylaw Koscielnak in Auschwitz-Birkenau. Im Bild spielt das Frauenorchester des Konzentrationslagers Auschwitz

„Rückkehr von der Arbeit‘ – Zeichnung von Mieczylaw Koscielnak in Auschwitz-Birkenau. Im Bild spielt das Frauenorchester des Konzentrationslagers Auschwitz

Alma Rosé strebte unentwegt nach der Erhöhung des künstlerischen Niveaus der Aufführung, weil sie verstand, dass das Leben der Musiker an einem Haar hing und alle Frauen sterben müssten, wenn den Anführern der Lagerverwaltung die Aufführung nicht gefiele. Gutes Gedächtnis habend, reproduzierte sie die Partituren vieler populärer Werke. Fania war eine der zwei Sängerinnen des Orchesters, manchmal machte sie die Bearbeitungen der musikalischen Werke, und einige Zeit ersetzte sie die krank werdende Darstellerin und spielte auf den Schlaginstrumenten.

Der Streifen zeigt die schlechte Beziehung der anderen Häftlinge zu den Musikern. Einige beneideten ihre Ermäßigungen, andere hielten sie für Handlanger der Nazis, für „die Hündchen der SS“. Jedoch währte das vermeintliche Glück „der Gewählten“ nur kurz. Im April 1944 ist Rosé gestorben. Nach einem halben Jahr wurden die Jüdinnen nach Bergen-Belsen abgesandt, und alle anderen nach Auschwitz-1. Fania hat Glück gehabt und konnte die Befreiung erleben.