Storch Heinar

„Kreuze machen ohne Haken“ – Das Storch Heinar Projekt

Da Rechtsextremismus nach unserer Recherche und den Erfahrungen in diesem Projekt ein sehr präsentes, wenn auch vielleicht weitgehend verschwiegenes Thema ist, stellten wir uns abschließend die Frage, was heute unternommen wird, um ReSPD-waehlt-Julian-Barlen-zum-neuen-Kreisvorsitzenden_pdaArticleWidechtsextremismus zu verhindern bzw. zu bekämpfen. Ob Prävention oder Intervention – wir wurden über Julian Barlen (SPD) auf das „Storch Heinar Projekt“ aufmerksam.
Um weitergehende Informationen zu bekommen, luden wir den Landtagsabgeordneten Barlen in unsere Schule ein, um uns aus erster Hand über das Satire-Projekt zu informieren (Anmerkung: hierzu gab es keine Berichterstattung in den Medien)
Auch die Schülerzeitung unserer Schule war anwesend, um anschließend über das Gespräch zu informieren und einen Artikel zu verfassen, ist die Neugierde an unserem ungewöhnlichen Projekt doch ungebrochen.
In dem Interview vom 29.06.2016 erzählte uns Herr Barlen, dass die Idee zu Storch Heinar bei einer geselligen Runde im Freundeskreis entstand und als Satire auf die bei Rechten beliebte 1277418952272Marke Thor Steinar zu verstehen ist. Demnach ist Storch Heinar als eine Art Modelabel zu verstehen, an dessen Gründung auch unser derzeitiger Bildungsminister Mathias Brotkorb mitwirkte. Die Erlöse der Marke gehen in die redaktionelle Arbeit gegen Rechtsextremismus. Dabei bezieht der fiktive Storch, der meist mit Stahlhelm, Hitlerbärtchen und Scheitel auftritt typische Elemente des Nationalsozialismus mit ein und diese im Sinne des Projekts umdichtet. Herr Barlen fügte dazu das Beispiel an: „Hier marschiert der nationale Viehbestand“, in Anlehnung an die rechten Partolen: „Hier marschiert der nationale Widerstand“. 2011 entstand auch das Buch „Mein Krampf“ mit 88 Seiten und 18 Kapiteln, ebenfalls eine Anspielung an die Zahlendynamik der Nazis. Hitler nutzte ein Teil seiner Einnahmen, um seinen Parteikampf ab 1925 zu finanzieren, die Storch Heinar Initiatoren nutzen die gesamten Einnahmen, um gegen Rechtsextremismus aufzuklären und anlehnende Projekte wie „Endstation Rechts“ zu unterstützen. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass der Kern des Projekts im „Verulken“ von Nazis besteht, worüber man ebenfalls Aufklärungsarbeit betreibt gegen die Gefahren die von Rechtsextremismus ausgehen. Und das eben diesen Institutionen oft das Geld fehlt, um aktiv Aufklärungsarbeit gegen Rechts zu unternehmen, ist das Storch Heinar Projekt eine gelungene Idee, um diese Arbeit voranzutreiben.
Ebenfalls befragten wir Herrn Barlen zum Umgang mit der NPD in der aktuellen Politik, gesondert im Landtag Mecklenburg-Vorpommerns. Dabei wurde uns sehr schnell deutlich gemacht, dass eine Null-Toleranz-Politik gegenüber der NPD gefahren wird. Politisch bezeichnet wird dieser Vorgang als „Schweriner Weg“, der wie folgt charakterisiert wird:
Dabei gehen SPD, CDU, Linke und Grüne gemeinsam gegen die NPD vor. Alle Anträge der NPD werden einstimmig abgelehnt, ein Vertreter aller Fraktionen antwortet auf die Anträge der NPD und es werden auch außerhalb des Landtages keine Veranstaltungen besucht, zu denen auch die NPD geladen ist. Dieser Weg wird von den genannten Parteien getragen, weckte aber auch Zweifel bei uns, ob es tatsächlich eine geeignete Lösung ist, um mit der NPD umzugehen. Da nicht der öffentliche Diskurs gesucht wird, wird die Partei (welche derweil noch demokratisch legitimiert ist) ignoriert. Wir werden über die Schule dazu erzogen kritisch mit anderen 20160629_140448Meinungen umzugehen, diese aber nicht zu ignorieren, da das Ignorieren eines Problems, selten zu Lösung desselben beiträgt. Im Schulgesetz wird dies als „Erziehung zur Mündigkeit“ beschrieben. Auch die Frage, ob dadurch die NPD nicht eher mystifiziert wird und dadurch anziehend wirken könnte. Herr Barlen musste einräumen, dass der Umgang mit der NPD schwierig sei und man „beide Seiten der Medaille“ betrachten müsse. Die eine Seite ist das Blockieren der demokratiefeindlichen Partei, die andere, die öffentliche Diskussion mit eben diesen. Wir hatten den Eindruck, dass hier eine Art Mittelweg gesucht wird, um der Problematik Herr zu werden, die aus unserer Sicht aber wenig zufriedenstellend ist. Auch aus diesem Grund war es für uns wichtig, mit Herrn Petereit persönlich zu sprechen und Antworten auf unsere Fragen aus erster Hand zu bekommen. Auch der SPD Landtagsabgeordnete, der natürlich über die zahlreichen Zeitungsartikel im Vorfeld informiert war, gestand ein, das er sich eine solch intensive Auseinandersetzung mit fremdenfeindlichen Meinungen zu seiner Schulzeit ebenfalls gewünscht hätte.


Fotoquellen:
J. Barlen: Ostsee Zeitung
Storch Heinar Symbol: storch-heinar.de
Interview Barlen: eigenes Foto