Unser Fazit

An dieser Stelle, wollen wir ein Fazit zu unseren Eindrücken, Erlebnissen und Ergebnissen ziehen. Dabei unterscheiden wir zwischen dem Fazit des Redaktionellen Tagebuchs, also welche Lehren und Erkenntnisse wir aus dem Umgang mit den Medien mit unserem kritischen Projekt gewonnen haben und in ein Fazit, welches wir zum Interview schreiben werden.


FAZIT ZUM REDAKTIONELLEN TAGEBUCH

Nach wie vor sind wir erschrocken darüber, wie schnell sich Politik in ein gut geplantes und gut durchgeführtes Projekt einmischt (ohne die Hintergründe zu kennen) und versucht, dieses zu blockieren. Traut man uns tatsächlich so wenig zu? Darf man sich in der Schule tatsächlich nicht mehr eine eigene Meinung bilden? Darf man nicht mehr kritisch fragen? Dann hätte Schule seinen Bildungsauftrag deutlich verfehlt. Schon im Schulgesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern heißt es:

„Ziel der schulischen Bildung und Erziehung ist die Entwicklung zur mündigen, vielseitig entwickelten Persönlichkeit […] (§2, Absatz 1)“

Diese Mündigkeit wurde uns seitens der Politiker und der negativen Berichterstattung abgesprochen! Das Schlimme dabei: Ohne die Fakten und den Aufbau des Geschichtskurses zu kennnen! Wir sind über die Reaktionen schockiert.
Wir schienen mit unserem Interview in ein Hornissennest gestochen zu haben, den der „Schweriner Weg“, und damit die Leitlinie der etablierten demokratischen Parteien heißt:

„Niemand spricht/verhandelt oder trifft sich mit der NPD!“
(siehe Menüpunkt Storch Heinar)

Aus unserer Sicht nur zum Teil nachvollziehbar. Rational betrachtet ist auch die NPD, bis zum Zeitpunkt der Interviews eine demokratisch legitimierte Partei, mit Sitzen im Landtag, auch wenn sie klare demokratiefeindliche Züge zeigt.

Wir wissen nun, am Ende des Projekts, dass Schule mehr leisten kann, als Meinungen vorzugeben – mehr leisten muss!!! Leider traut man das Schülern, aber auch Lehrerschaft nur bedingt zu.
Viel Kraft könnten wir aus zahlreichen Reaktionen der Leserschaft schöpfen, welche den wahren Wert des Projekts erkannten und sich diese Vorgehensweise unseres Geschichtslehrers als „vorbildlich“ und grundlegend „wünschenswert“ einstuften. Ähnlich Reaktionen verbuchten wir auch von ehemaligen Schülern.

„Mein Sohn geht in die 9. Klasse des ISG und natürlich war der „Eklat“ auch bei uns zu Hause Thema. Ich bin nicht über das Projekt empört- im Gegenteil. Man hätte den jungen Leuten nicht authentischer aufzeigen können, dass von rechts nur leere Phrasen und null Inhalt zu erwarten sind. Die Empörung seitens der Politik empfinde ich als scheinheilig. Vielleicht hätte man sich erst einmal richtig mit dem Projekt auseinander setzen sollen, bevor der Zeigefinger erhoben wird.“
Quelle: http://rostock.studentsstudents.de/
Reaktion von Karen vom 17. Juni 2016 um 21:14

Obwohl wir das Projekt erst grundlegend anders gestalten wollten, kam durch die Reaktionen aus Zeitung und Politik durchaus mehr Potential dazu, als ursprünglich geplant. Gut für uns! Gut fürs Projekt! Gut für die politische Bildung unsererseits!

Auf eine Entschuldigung seitens der OZ oder diverser Politiker warten wir bis heute!
Besonders unser Projektleiter Herr Kliewe hat harte Tage/Wochen hinter sich, da er sich permanent gegenüber Schulamt, Bildungsministerium und Presse zum Projekt äußern musste, Stellungsnahmen schreiben musste – oft bis tief in die Nacht.
Nachdem das Potential des Projektes analysiert wurde und selbst Fachdidaktiker der UNI sowie das Studentenwerk der Universität Rostock, dem Kurs ein extrem modernes Unterrichtskonzept (frei, selbst bestimmend, kritisch) bescheinigte, fehlt eine korrigierende Stellungnahme bis heute! Gegenwärtig ist eher sehr ruhig, um die Kritiker der ersten Stunde geworden…


FAZIT ZUM INTERVIEW

Das Interview mit David Petereit zu führen, war eine sehr gute Entscheidung. Abgesehen von dem „Sturm“ in den Medien, war es eine lehrreiche Abwechslung zum normalen Unterricht, da man sich Ansichten und Meinungen aus dem Mund eines umstrittenen Politikers anhören konnte, wobei die Möglichkeit gegeben war, ihn über alle Themen, die von eigenem Interesse waren, auszufragen und mit ihm zu diskutieren. Vor allem die Fragen zu der aktuellen Flüchtlingspolitik, dem NPD-Verbotsverfahren und zu den Schulhof-CDs waren uns sehr wichtig, betreffen sie uns doch zum teil selbst.Herr Petereit war uns gegenüber sehr zuvorkommend, und stimmte unserer Interviewanfrage direkt zu (er bekommt wahrscheinlich nicht täglich Anfragen von Schülergruppen). Auch bei unserem Treffen erwies er sich als ein Gesprächspartner, da er sich sehr gut artikulieren konnte und zu jeder Frage seine Überzeugung abgegeben hat. Dabei tart er nicht wie ein, in unseren Vorstellungen, gewöhnlicher Politiker auf (Anzug), sondern schlicht und einfach gekleidet.
Er erweckte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass er uns beeinflussen, oder seine Meinung aufdrängen wollte (für diesen Fall war unserer Lehrer ebenfalls anwesend).
Bei der Transkription fielen uns Inhalte auf, die uns aufgrund seines Redetalents während des Interviews nicht vollständig bewusst geworden sind.

Pluralismus im parlamentarischen Leben schien er abzulehnen, abwertende Tendenzen gegenüber der aktuellen Regierung Frau Merkels, waren oft herauszuhören. Eine eindeutige Meinung hat die NPD anscheinend auch zur Flüchtlingspolitik: Auf die Frage, was mit den Flüchtlingen passieren sollte, antwortete Petereit:

Naja, zurückführen, klar!
Frage 7 im Interview

Für uns eine menschenverachtende, pauschalisierende Antwort! Ohne sich mit Einzelschicksalen zu beschäftigen, ohne Mitgefühl, ohne zu hinterfragen, werden hier hilfebedürftige Menschen über einen Kamm geschert und zu Individuen zweiter Klasse deklassiert. Eine Einstellung die durch Nationalismus und Rassismus geprägt scheint. Tendenzen, die wir bereits aus der Vergangenheit kennen und scheinbar weiterhin bestand haben. Generell scheint Petereit politische Parteien und deren Vertreter abzulehnen, ein Widerspruch in sich, ist er doch selber Mandatsträger der NPD. Trotzdem scheinen alle anderen Politiker unfähig zu sein. Exakte Pläne bzw. Auswege aus human-/politischen Krisen kann aber die NPD auch nicht liefern. Eine klare Abgrenzung zum Nationalsozialismus vermissten wir ebenfalls.

Es entstand für uns der Eindruck, dass die Vertreter der NPD gerne die Fehler der etablierten Parteien offenlegen, anklagen und scharf verurteilen. Eigene Lösungsvorschläge – Fehlanzeige! Die Mitglieder spielen mit den Ängsten der Menschen, speisen diese mit Rassismus und Nationalismus und Pauschalisieren, wie es ihnen beliebt.Kritische Fragen, wie die nach dem Zwischenfall der Schulhof-CD, werden heruntergespielt, obwohl die Problematik bereits zuvor bekannt war! Sich dann als Opfer zu präsentieren, die durch die Verkettung unglücklicher Umstände zu einer Strafanzeige führte, ist in unseren Augen weder nachvollziehbar, noch transparent. Wir sind der Überzeugung, dass Herr Peterreit genau wusste, um was es sich handelt.

Alles in Einem war es ein unheimlich spannendes, aber auch schockierendes Projekt. Wir sind froh kritische Fragen stellen zu dürfen, unsere eigene Meinung zu entwickeln und auch zukünftig der NPD mit Ablehnung gegenüber zutreten.

UPDATE: Nach der letzten Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2016 erreichte die NPD lediglich 3% und scheidet damit zukünftig aus dem neu zu bildenen Landtag aus!


Unser Fazit möchten wir mit einem Leserkommentar beenden.

Rostock. Ich finde die Empörung dumm und empörend, weil: Wenn sich junge Erwachsene (9. Klasse, noch dazu Gymnasiasten)im Rahmen einer Geschichtswerkstatt zum Rechtsextremismus und unter Begleitung der Lehrer DIREKT über die Ansichten dieser – derzeit demokratisch legitimierten – Idioten informieren, ist das der beste Weg um ihnen, diesen Reaktionären, für die Zukunft Einhalt zu gebieten! Für wie dumm halten einige unsere Jugend?

          Thomas Leverenz