Kz, ‚Jugendschutzlager‘, Ghetto – Drei Bezeichnungen, eine Wahrheit!

Gedenkstätte KZ Theresienstadt 1

Gedenkstätte KZ Theresienstadt 1

Die Konzentrationslager, die „Jugendschutzlager“ und das Ghetto hatten alle grundliegende Gemeinsamkeiten. So kann man sie als einen Ort der Isolierung und Entledigung „mißliebiger Menschengruppen“[1] sehen. Grundsätzlich gab es für die Internierung dieser Gruppen keine rechtliche Grundlage. Auch unzählige Kinder wurden Opfer dieses Verbrechens.  In den Ghettos blieben die Familien zusammen wohnen und es gab eine Selbstverwaltung der Ghettobewohner unter der Aufsicht der SS, Gestapo. Aber die Methoden der Menschenbehandlung waren auch hier erniedrigend. Die Arbeitsmöglichkeiten waren gering, Hunger und Nichtstun an der Tagesordnung. Besonders Krankheiten verbreiteten sich wegen der schlechten hygienischen Verhältnisse rasend schnell. Ständig fanden Abtransporte in die Vernichtungslager statt.

In den Konzentrationslagern  verschlimmerte sich die Situation abermals. Es gab eine strenge Geschlechtertrennung und auch die Kinder wurden von ihren Eltern getrennt. Sie wurden in enge Kasernen gepfercht und waren besonders unerwünscht und störend. Missbrauch als experimentelle Versuchspersonen, Misshandlung  und Mord machten auch vor den Kindern nicht halt. Auch hier herrschten Hunger und schlimme hygienische Zustände vor.  Eine dritte Form der „Isolierung von mißliebigen Menschengruppen“ [2] waren die sogenannten „Jugendschutzlager“, die in Wirklichkeit nichts anderes als eine Art Konzentrationslager waren. In diese Lager wurden Kinder und Jugendliche gebracht die politisch, religiös oder rassisch im Konflikt mit der nationalsozialistischen Ideologie standen. Vor allem Erziehungsheime nutzten diese Möglichkeit, um störende Kinder aus ihrem Heim in ein Jugend-KZ zu überstellen. Im Lager selber wurden mit ihnen „kriminalbiologische Untersuchungen“ durchgeführt, um sie danach in Gruppen einteilen zu können. Es gab nur wenige Kinder, die eine reale Chance hatten später zur Wehrmacht und zum Reichsarbeitsdienst entlassen zu werden. Traurige Wahrheit ist jedoch, dass die Kinder, wenn sie das Lager mit der Folter und Zwangsarbeit überlebten, im Alter von 18 Jahren in Konzentrationslager deportiert wurden.

Hinzu kommt, dass es nicht nur Einrichtungen gab welcher Merkmale ausschließlich auf eine der drei benannten Bezeichnungen zutrafen. So war zum Beispiel Theresienstadt eine Mischform zwischen Ghetto und KZ. Deswegen wird es in der Literatur teilweise als KZ und teilweise als Ghetto bezeichnet.


1 Foto aufgenommen und zur Verfügung gestellt von Vivian Heintz

[1] Vgl. Adolphs, Lotte, Walter Braun Verlag Duisburg, Kinder in Ketten, S.23 ff

Vgl.http://www.gedenkstaettenpaedagogik-bayern.de/jugendliche_kz.htm , Stand 26.02.2012

[2] Vgl. Adolphs, Lotte, Walter Braun Verlag Duisburg, Kinder in Ketten, S.23 ff