Und heute??

Viele denken wahrscheinlich, dass nach Ende des Krieges auch die Denkweise vieler Menschen sich geändert hat. Leider muss man diesen Wunschgedanken bedrückt beiseite schieben, denn in Deutschland gibt es auch heute noch sehr viele Familien, die den menschenverachtenden Ideologien des 2. Weltkrieges treu geblieben sind und diese Ideologien durch ihre Erziehung den nächsten Generationen weiter geben. In den letzten 20 Jahren haben sich sogenannte Zentren von Neonazis gebildet, die die betroffenden Städte bzw. Stadtteile regelrecht „beherrschen“.  Kinder singen schon in einem Alter von nur 4 Jahren Hetzlieder, 2 Jährige zeigen den Hitlergruß. Erzieher aus öffentlichen Einrichtungen sind überfordert, sehen nur einen Ausweg, das Kind der Einrichtung verweisen, um die anderen Kinder und sich selbst zu schützen. Doch durch diesen Eingriff verlieren betroffene Kinder, die in diesem Milieu aufwachsen und leben, den letzten Halt zur realen Welt. Doch wie kann man diesen Kindern helfen ohne eine Gefährdung Anderer in Kauf nehmen zu müssen? In diesen Fällen ist es sehr schwierig einzugreifen. Die Zwickauer Terrorgruppe hat vor kurzem erst wieder darauf aufmerksam gemacht, dass deutsche Neonazis ein tiefgründiges Problem in der Gesellschaft darstellen, welches unbedingt beobachtet und gelöst werden muss, denn es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese Ideologien sich von alleine verlieren und ihre Bedeutung verlieren werden.

Ein entsetzendes Beispiel ist Familie Geist (Name abgeändert) aus einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt. In dieser Familie sind die Ideologien den Behörden schon mehrere Jahrzehnte bekannt. Doch selbst nach vielen Einsätzen des Jugendamts etc. trat hier keine Veränderung ein. Die Kinder zeigten in den 90er Jahren schon ein menschenverachtendes Verhalten. Sie waren schon im jungen Kindesalter für Körperverletzung, Diebstahl und Sachbeschädigung bekannt und ihr Verhalten hat sich in ihrer Entwicklung zu Erwachsenen nur noch verfestigt. Auch die neue Generation scheint diesem Teufelskreis verfallen zu sein, da sie schon dem Verhalten der Älteren nacheifern. Die Älteren, diejenigen, die die Verantwortung tragen, die, die genau wissen, dass ihre Ansichten falsch und verachtend sind. Sie wissen es, und sind auf die Behörden/ Medien zugegangen, waren bereit ihre Geschichte zu erzählen. Warum sind sie bereit sich öffentlich zu zeigen, und auch teilweise einzusehen, dass ihr Denken falsch ist? Viel wichtiger wäre es ihr Verhalten gegenüber den Kindern zu ändern, damit sie die Chance haben sich selbst zu entwickeln und ihre eigenen Meinungen vertreten zukönnen. Außerdem darf die Erziehung dieser Kinder nicht ausschließlich, sogar fast nur, in einer normalen Umgebung stattfinden. Sonst finden diese Kinder keinen Weg aus diesem Teufelskreis.

Ein Ausschnitt aus dem Interview von 1994 mit zwei der Kinder der Familie Geist. (Namen geändert)

Kennst Du einen Ausländer?
Fabian (12): Nein.
Wenn Du einen kennenlernst …
Fabian: Den schlag ich blau!
Warum?
Fabian: Darum. Weil ich die nicht leiden kann.
Würdest Du auch ein Kind schlagen?
Fabian: Ja.
Mädchen auch?
Fabian: Ja, bloß weil es Ausländer sind.

Was willst Du werden, wenn Du groß bist?
Lukas (9): Ein Skinhead.
Was findest Du denn an Skinheads so schön?
Lukas: Den Baseballschläger und die schwarze Uniform.
Was willst Du machen, wenn Du groß und Skinhead bist?
Lukas: Einen mit dem Baseballschläger verhauen.